Gebrechlichkeit bzw. Fragilität (englisch: frailty) ist ein komplexer, altersbedingter klinischer Zustand, der durch eine Degeneration multipler Organsysteme gekennzeichnet ist und in dessen Folge es zu einer erhöhten Vulnerabilität des Organismus gegenüber endogenen und exogenen Stressoren kommt (Cesari et al. 2017; Dent et al. 2019). Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst und erhöht das Risiko negativer gesundheitlicher Folgen. So ist beispielsweise das Risiko von Stürzen bei einem Patienten oder einer Patientin mit Frailty signifikant erhöht, ebenso wie das Risiko eine Fraktur zu erleiden (gemittelte Odds Ratio in einer Meta-Analyse 1,70 bzw. 2,78; Vermeiren et al. 2016). Handelt es sich bei einer durch einen Sturz zugefügten Fraktur um ein „Niedrigenergietrauma“ (zum Beispiel Sturz aus der stehenden oder sitzenden Position), so wird an dieser Stelle auch der Begriff der Fragilitätsfraktur eingesetzt (Friedman und Mendelson 2014). Oftmals steht eine derartige Fraktur im direkten Zusammenhang mit einer reduzierten Knochendichte (englisch: bone mineral density, BMD), die wiederum Ausdruck einer Erkrankung des Knochens (in der Regel einer Osteoporose) sein kann (Sànchez-Riera und Wilson 2017). Angesichts der globalen Alterung der Bevölkerung stellt die zunehmende Verbreitung von Frailty eine große Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsysteme sowohl in hoch- als auch in einkommensschwächeren Ländern dar. Die Prävalenz ist abhängig von der Ausgangspopulation und den Einschlusskriterien (Dlima et al. 2024). Die Prävalenz der Osteoporose als einem der hauptverantwortlichen Risikofaktoren für Fragilitätsfrakturen bei Patienten mit Frailty wurde 2009 im Rahmen der BEST-Studie mit 14 % bei den über 50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern Deutschlands berechnet (Hadji et al. 2013); die SCOPE-Studie berichtet von einer Gesamtprävalenz in Deutschland von 6,1 % (Kanis et al. 2021). Das Risiko für Fragilitätsfrakturen ist abhängig vom Geschlecht und steigt mit zunehmendem Alter (weshalb epidemiologische Angaben in der Regel adjustiert an Alter und Geschlecht angegeben werden), jedoch ist auch mit einer generellen Zunahme der Prävalenz in der Zukunft zu rechnen (Kurth 2020). In diesem Beitrag soll ein Überblick über die Osteoporose-assoziierten Frakturen und deren Behandlung gegeben werden sowie der zu einer zunehmenden Frailty führende Circulus vitiosus nach stattgefundener Fragilitätsfraktur erläutert werden. Damit einhergehend werden die Probleme an den Schnittstellen zwischen Prävention und Therapie erarbeitet und Handlungsempfehlungen zur Behebung der Probleme an den Schnittstellen gegeben. Ein Resümee mit der Darstellung der sozioökonomischen Relevanz von Fragilitätsfrakturen unterstreicht die Thematik und schließt das Kapitel ab.

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Fragilitätsfrakturen: Empirische Bestandsaufnahme, Ursachen und Hintergründe sowie Handlungsempfehlungen

  • Jan Wulf,
  • Carsten Schöneberg,
  • Carl Neuerburg

摘要

Gebrechlichkeit bzw. Fragilität (englisch: frailty) ist ein komplexer, altersbedingter klinischer Zustand, der durch eine Degeneration multipler Organsysteme gekennzeichnet ist und in dessen Folge es zu einer erhöhten Vulnerabilität des Organismus gegenüber endogenen und exogenen Stressoren kommt (Cesari et al. 2017; Dent et al. 2019). Dieser Zustand wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst und erhöht das Risiko negativer gesundheitlicher Folgen. So ist beispielsweise das Risiko von Stürzen bei einem Patienten oder einer Patientin mit Frailty signifikant erhöht, ebenso wie das Risiko eine Fraktur zu erleiden (gemittelte Odds Ratio in einer Meta-Analyse 1,70 bzw. 2,78; Vermeiren et al. 2016). Handelt es sich bei einer durch einen Sturz zugefügten Fraktur um ein „Niedrigenergietrauma“ (zum Beispiel Sturz aus der stehenden oder sitzenden Position), so wird an dieser Stelle auch der Begriff der Fragilitätsfraktur eingesetzt (Friedman und Mendelson 2014). Oftmals steht eine derartige Fraktur im direkten Zusammenhang mit einer reduzierten Knochendichte (englisch: bone mineral density, BMD), die wiederum Ausdruck einer Erkrankung des Knochens (in der Regel einer Osteoporose) sein kann (Sànchez-Riera und Wilson 2017). Angesichts der globalen Alterung der Bevölkerung stellt die zunehmende Verbreitung von Frailty eine große Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialsysteme sowohl in hoch- als auch in einkommensschwächeren Ländern dar. Die Prävalenz ist abhängig von der Ausgangspopulation und den Einschlusskriterien (Dlima et al. 2024). Die Prävalenz der Osteoporose als einem der hauptverantwortlichen Risikofaktoren für Fragilitätsfrakturen bei Patienten mit Frailty wurde 2009 im Rahmen der BEST-Studie mit 14 % bei den über 50-jährigen Einwohnerinnen und Einwohnern Deutschlands berechnet (Hadji et al. 2013); die SCOPE-Studie berichtet von einer Gesamtprävalenz in Deutschland von 6,1 % (Kanis et al. 2021). Das Risiko für Fragilitätsfrakturen ist abhängig vom Geschlecht und steigt mit zunehmendem Alter (weshalb epidemiologische Angaben in der Regel adjustiert an Alter und Geschlecht angegeben werden), jedoch ist auch mit einer generellen Zunahme der Prävalenz in der Zukunft zu rechnen (Kurth 2020). In diesem Beitrag soll ein Überblick über die Osteoporose-assoziierten Frakturen und deren Behandlung gegeben werden sowie der zu einer zunehmenden Frailty führende Circulus vitiosus nach stattgefundener Fragilitätsfraktur erläutert werden. Damit einhergehend werden die Probleme an den Schnittstellen zwischen Prävention und Therapie erarbeitet und Handlungsempfehlungen zur Behebung der Probleme an den Schnittstellen gegeben. Ein Resümee mit der Darstellung der sozioökonomischen Relevanz von Fragilitätsfrakturen unterstreicht die Thematik und schließt das Kapitel ab.