Schönlein als hochdekorierter Universitätsprofessor, Verantwortlicher für die preußische Hochschulpolitik und dann auch noch Leibarzt und Vertrauter des Königs – das musste seinem alten Widersacher Nepomuk Ringseis, der in München eine ähnlich einflussreiche Position hatte, ein Dorn im Auge sein. Viele Jahre lang war Schönlein im Schweizer Exil abgetaucht und dadurch direkten Angriffen entzogen gewesen. Das hatte Ringseis jedoch nicht daran gehindert, die Nähe zur bayerischen Regierung zu nutzen, um die Schüler Schönleins und Verbreiter seiner Lehren zu verfolgen und deren Karrieren zu behindern. Ihn trieb nichts Geringeres als die vermeintliche Rettung der Heilkunde, die von „den Anhängern der sogenannten natur- (?) historischen (?) Schule (!) in ganzen Bänden breit getreten und bis zur widerlichen Affenfratze entstellt“ wurde. Für den fundamentalistischen Katholiken waren Glaube und Offenbarung untrennbar mit der Medizin verbunden – Krankheit war eine Folge des Sündenfalls, Genesung nur durch Buße und Gebet zu erreichen. Konsequent verfolgte er daher mit dem Eifer eines Großinquisitors die Naturbeobachtung der Schönlein’schen Schule als pantheistischen Irrglauben.

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Tiergarten und Typhus

  • Bernhard Manger

摘要

Schönlein als hochdekorierter Universitätsprofessor, Verantwortlicher für die preußische Hochschulpolitik und dann auch noch Leibarzt und Vertrauter des Königs – das musste seinem alten Widersacher Nepomuk Ringseis, der in München eine ähnlich einflussreiche Position hatte, ein Dorn im Auge sein. Viele Jahre lang war Schönlein im Schweizer Exil abgetaucht und dadurch direkten Angriffen entzogen gewesen. Das hatte Ringseis jedoch nicht daran gehindert, die Nähe zur bayerischen Regierung zu nutzen, um die Schüler Schönleins und Verbreiter seiner Lehren zu verfolgen und deren Karrieren zu behindern. Ihn trieb nichts Geringeres als die vermeintliche Rettung der Heilkunde, die von „den Anhängern der sogenannten natur- (?) historischen (?) Schule (!) in ganzen Bänden breit getreten und bis zur widerlichen Affenfratze entstellt“ wurde. Für den fundamentalistischen Katholiken waren Glaube und Offenbarung untrennbar mit der Medizin verbunden – Krankheit war eine Folge des Sündenfalls, Genesung nur durch Buße und Gebet zu erreichen. Konsequent verfolgte er daher mit dem Eifer eines Großinquisitors die Naturbeobachtung der Schönlein’schen Schule als pantheistischen Irrglauben.