„Speerspitze“ der Wiener Urologie: Habilitanden und Habilitationen 1910 bis 1938
摘要
Am 10. Juli 1910 wandte sich der damals 33-jährige Viktor Blum (1877–1953 Chicago), erster Assistent der Urologischen Abteilung der Wiener Allgemeinen Poliklinik, an das Professorenkollegium der Wiener Medizinischen Fakultät. Sein Anliegen: Man möge ihn zur Habilitation als Privatdozent zulassen. Für die Fakultät war das ein mehr oder weniger alltäglicher Vorgang, langten doch pro Jahr etwa zehn bis fünfzehn Habilitationsgesuche im Dekanat ein. Um ein Novum handelte es sich trotzdem, beantragte Blum doch die Dozentur für Urologie. Das Fach hatte an der Universität Wien gerade erst entscheidende Schritte hin zu seiner Etablierung gesetzt. Der Vorstand der II. Chirurgischen Klinik im Allgemeinen Krankenhaus Julius Hochenegg (1859–1940) schuf im gleichen Jahr, „trotz diverser Widerstände“, wie er 1929 schrieb, die Urologische Abteilung an seiner Klinik (Figdor 2007). Hochenegg war es auch, der das Professorenkollegium der Wiener Fakultät davon überzeugte, die Urologie zum Habilitationsfach zu erheben. Viktor Blum schloss sein Verfahren am 11. April 1912 – das Ministerium für Kultus und Unterricht bestätigte an diesem Tag den befürwortenden Beschluss des Professorenkollegiums – erfolgreich ab. Er war damit der erste Privatdozent für Urologie im deutschsprachigen Raum. Die Vorreiterrolle der Wiener Universität in der Urologie unterstreicht ein Blick auf die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo mit Karl Heusch erst 1942 ein Mediziner ausschließlich in diesem Fach habilitierte (Moll et al. 2022, S. 1000).