Die Entfernung von Blasensteinen zählt zu den ältesten operativen Eingriffen überhaupt. Bereits in der Antike kannte man ein Verfahren, bei dem zunächst der Damm und die Harnröhre angeschnitten wurden. Danach führte man durch diesen Schnitt ein Instrument über die Harnröhre in die Harnblase und holte damit den Stein heraus. Hippokrates von Kos (um 460 v. Chr. – um 370 n. Chr.) oder der Medizinschriftsteller Aulus Cornelius Celsus (um 25 v. Chr. – um 50. n. Chr.) beschrieben die (perineale) Lithotomie, ohne sie allerdings selbst durchgeführt zu haben. Der Eingriff galt wegen seiner postoperativen Komplikationen wie hohes Fieber, Fistelbildung, bleibende Inkontinenz und auftretende Sepsis als zu gefährlich und war eines gelehrten Mediziners nicht würdig (Hottinger 1927; Figdor 2004, S. 49). So war sogar in der Originalversion des Eids des Hippokrates zu schwören: Auch werde ich den Blasenstein nicht operieren, sondern es denen überlassen, deren Gewerbe dies ist (Οὐ τεμέω δὲ οὐδὲ μὴν λιθιῶντας, ἐκχωρήσω δὲ ἐργάτῃσιν ἀνδράσι πρήξιος τῆσδε) (Sachs 2003, S. 341; Sachs und Winkelmann 2004, S. 11). Der britische Chirurg Samuel Cooper (1780–1848) schrieb im Jahre 1817 im 8. Band der „Medico-Chirurgical Transactions“, dass bei der Lithotomie wesentlich mehr Ungeschicklichkeiten, letale Fehler und gefährliche Schnitte zu beobachten waren als beispielsweise bei Amputationen oder der Entfernung von Tumoren (Figdor 2004, S. 47). Der akademisch gebildete Mediziner scheute daher generell lange Zeit Messer, Blut und Eiter (Angetter 2004, S. 18). So wurden bis ins 19. Jahrhundert die Entfernungen von Blasensteinen von einem Lithotomus ausgeführt. Er zählte zu der Gruppe der Wundärzte, die vor allem in ländlichen Gebieten sogar bis weit in das 19. Jahrhundert für viele Patienten die erste Anlaufstelle bei akut auftretenden Erkrankungen, Verletzungen oder notwendigen operativen Eingriffe waren (Angetter 2017, S. 7).

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Zur Etablierung einer Leitoperation in der Steintherapie

  • Daniela Angetter-Pfeiffer

摘要

Die Entfernung von Blasensteinen zählt zu den ältesten operativen Eingriffen überhaupt. Bereits in der Antike kannte man ein Verfahren, bei dem zunächst der Damm und die Harnröhre angeschnitten wurden. Danach führte man durch diesen Schnitt ein Instrument über die Harnröhre in die Harnblase und holte damit den Stein heraus. Hippokrates von Kos (um 460 v. Chr. – um 370 n. Chr.) oder der Medizinschriftsteller Aulus Cornelius Celsus (um 25 v. Chr. – um 50. n. Chr.) beschrieben die (perineale) Lithotomie, ohne sie allerdings selbst durchgeführt zu haben. Der Eingriff galt wegen seiner postoperativen Komplikationen wie hohes Fieber, Fistelbildung, bleibende Inkontinenz und auftretende Sepsis als zu gefährlich und war eines gelehrten Mediziners nicht würdig (Hottinger 1927; Figdor 2004, S. 49). So war sogar in der Originalversion des Eids des Hippokrates zu schwören: Auch werde ich den Blasenstein nicht operieren, sondern es denen überlassen, deren Gewerbe dies ist (Οὐ τεμέω δὲ οὐδὲ μὴν λιθιῶντας, ἐκχωρήσω δὲ ἐργάτῃσιν ἀνδράσι πρήξιος τῆσδε) (Sachs 2003, S. 341; Sachs und Winkelmann 2004, S. 11). Der britische Chirurg Samuel Cooper (1780–1848) schrieb im Jahre 1817 im 8. Band der „Medico-Chirurgical Transactions“, dass bei der Lithotomie wesentlich mehr Ungeschicklichkeiten, letale Fehler und gefährliche Schnitte zu beobachten waren als beispielsweise bei Amputationen oder der Entfernung von Tumoren (Figdor 2004, S. 47). Der akademisch gebildete Mediziner scheute daher generell lange Zeit Messer, Blut und Eiter (Angetter 2004, S. 18). So wurden bis ins 19. Jahrhundert die Entfernungen von Blasensteinen von einem Lithotomus ausgeführt. Er zählte zu der Gruppe der Wundärzte, die vor allem in ländlichen Gebieten sogar bis weit in das 19. Jahrhundert für viele Patienten die erste Anlaufstelle bei akut auftretenden Erkrankungen, Verletzungen oder notwendigen operativen Eingriffe waren (Angetter 2017, S. 7).