„Und schreibt, so wie die Wellen auf die Sandflächen schreiben,/ Der Wind auf die Lagune, die Sonne auf den Nebel.“ Verflechtungen zwischen lyrischer Stimme, mehr-als-menschlicher Welt und Poetik in Rosalía de Castros Lyrikband En las orillas del Sar
摘要
Dieser Beitrag untersucht die Fülle poetischer Wasser/Landschaften im Gedichtband En las orillas del Sar (An den Ufern des Sar) (1884) der galicischen Lyrikerin Rosalía de Castro in Hinblick auf die dichten Verflechtungen zwischen lyrischer Stimme, nichtmenschlicher Umwelt und poetischer Reflexion. Dabei werden drei zeitgenössische Lektüremöglichkeiten des Textes eröffnet, die sich ergänzen und Schnittmengen bilden. Aus einer neumaterialistischen Perspektive gelesen führen die Gedichte die komplexe Verwobenheit von lokalen Gewässern mit Pflanzen, Tieren, Elementen, aber auch technischen Artefakten vor und unterstreichen damit die vulnerable Balance des regionalen Ökosystems. Mit Hartmut Rosa gedacht lässt sich gleichzeitig eine Poetik der Resonanz profilieren, in der sich die poetische Stimme in ihrem Antworten auf zahlreiche mehr-als-menschliche Stimmen konstituiert und durch eine affektive Weltbeziehung kennzeichnet. Eine ökofeministische Lesart schließlich hebt die kritische Auseinandersetzung mit misogynen Stereotypen hervor und betont die sinnliche Verbindung zwischen lyrischem Subjekt und Umwelt.