Schriften über den Abbé de Saint-Pierre/Écrits sur l’abbé de Saint-Pierre (1759)
摘要
Berühmt ist der Autor Abbé de Saint-Pierre heute vor allem für sein Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe, das er zwischen 1708 und 1712 in vier Fassungen ausarbeitete und dessen letzte Fassung 1713 erschien. Kurz vor Abschluss der Verhandlungen zum Vertrag von Utrecht leugnete er in seiner Schrift die Sicherung eines dauerhaften europäischen Friedens durch eine französische Hegemonialmacht. Er lehnte aber auch die Theorie des Gleichgewichts der Mächte ab, die zu seiner Zeit als das beste Mittel zur Friedenssicherung galt und auch die Grundlage des Utrechter Friedens bildete (Frey 2012). Der Abbé zeigte indes, dass dieses Gleichgewicht nicht nur äußerst instabil war, sondern argumentierte sogar, dass es zu dauerhaften Konflikten zwischen den Nationen führen müsse (Bernardi 2014, 19–45). In Anlehnung an Émeric Crucés Nouveau Cynée (1623) und William Penns An Essay towards the present and future Peace of Europe (1693) plädierte er daher für eine konföderative Lösung nach dem Vorbild des Deutschen Reiches, der Vereinigten Provinzen der Niederlande oder der Schweizer Eidgenossenschaft (Asbach 2001; Asbach 2002, 136–184). Er schlug die Bildung eines Europäischen Rates und eines gemeinsamen europäischen Gerichtshofes vor, in denen (je nach Version) die Vertreter der (18 bis 24) Mitgliedsstaaten bzw. Verbünde sitzen sollten, um ihre Politik zu koordinieren und Konflikte in einem mehrstufigen Verfahren gemeinsam zu lösen.