Philosophie
摘要
Neben David Hume und Immanuel Kant gehört Rousseau zu den Philosophen, die die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts am stärksten geprägt haben. In der Tat gibt es seither kaum einen Philosophen, der Rousseau nicht als bedeutenden Denker betrachtet hat (Spector 2011). Schon Kant war bekanntlich ein großer Bewunderer des „scharfsinnigen Schweizers“, wie er ihn in seiner Anthropologie in pragmatischer Hinsicht nannte. Gerne wird die Geschichte kolportiert, dass Kant im Sommer 1762, gefesselt von der Lektüre des soeben erschienenen Émile, für einige Tage seinen Spaziergang vergaß, was ihm sonst nie passierte (Vorländer 2004, 118). In seiner zwei Jahre nach dem Émile erschienenen Schrift Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen bringt er dann seine ganze Bewunderung zum Ausdruck: „Ich bin selbst aus Neigung Forscher. Ich fühle den ganzen Durst nach Erkenntnis und die gierige Unruhe, in ihr voranzukommen, oder auch die Befriedigung, die jeder Erwerb mit sich bringt“. Rousseau habe ihn aber auch gelehrt, „die Menschen“ zu schätzen (Kant 1910–1983, XX, 44). Für Kant hat Rousseau auf dem Gebiet der Ethik das geleistet, was Newton auf dem Gebiet der Physik geleistet hat (Kant 1910–1983, XX, 58–59).