Rousseau gilt als einer der ‚Klassiker‘ der Erziehungswissenschaft, weshalb eine kaum überblickbare Rezeptions- und Wirkungsgeschichte vorliegt. Diese beginnt für die deutschsprachige Diskussion und in einer erziehungswissenschaftlichen Tradition mit den Übersetzungen des Émile in dem 1776 publizierten Allerley aus Reden und Handschriften großer und kleiner Männer (Oelkers 2000, 351) sowie in den Bänden 12–15 der Allgemeinen Revision (1789–1791) von Joachim Heinrich Campe (Kersting 1987). In Herman Nohls 1933 erschienener Theorie der Bildung wird Rousseau als „einziger Nicht-Deutscher ausführlich erwähnt und gewürdigt“, da er „als erster überhaupt das ‚Prinzip der Bildung‘, d. h. das Prinzip des im Sinne Nohls ‚totalen höheren Lebens im Individuum‘ erkannt“ habe (Tröhler 2006, 45). Rousseau wird damit in den Kanon der ‚deutschen Dichter und Denker‘ aufgenommen und als ‚Vorläufer‘ oder gar ‚Begründer‘ einer pädagogischen Bildungstheorie geadelt. Damit wird eine ‚rein pädagogische‘ Lesart Rousseaus kanonisiert, die sich um einige wenige Schlüsselstellen des Émile (1762) dreht und gelegentlich die Kulturkritik der beiden Discours mitberücksichtigt. Die weiteren Schriften des Rousseauʼschen Œuvres sowie seine ebenfalls sehr umfangreiche, hervorragend edierte Korrespondenz bleiben weitgehend unberücksichtigt.

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Erziehungswissenschaft

  • Rebekka Horlacher

摘要

Rousseau gilt als einer der ‚Klassiker‘ der Erziehungswissenschaft, weshalb eine kaum überblickbare Rezeptions- und Wirkungsgeschichte vorliegt. Diese beginnt für die deutschsprachige Diskussion und in einer erziehungswissenschaftlichen Tradition mit den Übersetzungen des Émile in dem 1776 publizierten Allerley aus Reden und Handschriften großer und kleiner Männer (Oelkers 2000, 351) sowie in den Bänden 12–15 der Allgemeinen Revision (1789–1791) von Joachim Heinrich Campe (Kersting 1987). In Herman Nohls 1933 erschienener Theorie der Bildung wird Rousseau als „einziger Nicht-Deutscher ausführlich erwähnt und gewürdigt“, da er „als erster überhaupt das ‚Prinzip der Bildung‘, d. h. das Prinzip des im Sinne Nohls ‚totalen höheren Lebens im Individuum‘ erkannt“ habe (Tröhler 2006, 45). Rousseau wird damit in den Kanon der ‚deutschen Dichter und Denker‘ aufgenommen und als ‚Vorläufer‘ oder gar ‚Begründer‘ einer pädagogischen Bildungstheorie geadelt. Damit wird eine ‚rein pädagogische‘ Lesart Rousseaus kanonisiert, die sich um einige wenige Schlüsselstellen des Émile (1762) dreht und gelegentlich die Kulturkritik der beiden Discours mitberücksichtigt. Die weiteren Schriften des Rousseauʼschen Œuvres sowie seine ebenfalls sehr umfangreiche, hervorragend edierte Korrespondenz bleiben weitgehend unberücksichtigt.