Schon in seinem Discours sur les sciences et les arts, einem Werk, das ihn schlagartig in ganz Europa bekannt machte, kritisierte Rousseau die Grundannahmen seines Jahrhunderts - nicht nur über die Aufklärung und die grundsätzlich fortschrittliche Wirkung der Künste und Wissenschaften, sondern auch über die theoretischen Grundannahmen der „philosophes“ über die Natur des Menschen und die Gesellschaft sowie über das Verhältnis des Menschen zur Natur. Im zweiten Diskurs stellte er das Naturrecht in Frage, indem er aufzeigte, dass es nur in einem politischen Rahmen sinnvoll thematisiert werden könne. Auch der Contrat social war eine Kritik an den Naturrechtstheorien seiner Zeit. Für viele zeitgenössische Kritiker war es daher keineswegs klar, ob Rousseau zu den Aufklärern gehörte. Viele betrachteten ihn sogar als „Antiaufklärer“. Diese paradoxe Einschätzung, die die Rezeptionsgeschichte bis heute prägt (vgl. Masseau 2000; Sternhell 2006), beruht vor allem darauf, dass der Deutungsrahmen kaum hinterfragt wird. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das allmählich geändert.

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Aufklärungsforschung

  • Skadi S. Krause

摘要

Schon in seinem Discours sur les sciences et les arts, einem Werk, das ihn schlagartig in ganz Europa bekannt machte, kritisierte Rousseau die Grundannahmen seines Jahrhunderts - nicht nur über die Aufklärung und die grundsätzlich fortschrittliche Wirkung der Künste und Wissenschaften, sondern auch über die theoretischen Grundannahmen der „philosophes“ über die Natur des Menschen und die Gesellschaft sowie über das Verhältnis des Menschen zur Natur. Im zweiten Diskurs stellte er das Naturrecht in Frage, indem er aufzeigte, dass es nur in einem politischen Rahmen sinnvoll thematisiert werden könne. Auch der Contrat social war eine Kritik an den Naturrechtstheorien seiner Zeit. Für viele zeitgenössische Kritiker war es daher keineswegs klar, ob Rousseau zu den Aufklärern gehörte. Viele betrachteten ihn sogar als „Antiaufklärer“. Diese paradoxe Einschätzung, die die Rezeptionsgeschichte bis heute prägt (vgl. Masseau 2000; Sternhell 2006), beruht vor allem darauf, dass der Deutungsrahmen kaum hinterfragt wird. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich das allmählich geändert.