Selbstliebe und Eigenliebe/Amour de soi-même et amour propre
摘要
Dass die amour propre eine zentrale Rolle in Rousseaus Denken spielt, zeigt sich daran, dass sie die wichtigste Antwort auf die Leitfrage seines Discours sur lʼorigine et les fondements de lʼinégalité parmi les hommes ist: Worin liegt der Ursprung der moralischen (oder sozialen) Ungleichheit unter den Menschen? Obwohl die Komplexität des Diskurses es leicht macht, diesen Punkt zu übersehen, behauptet Rousseau, den primären Ursprung der moralischen Ungleichheit aufgedeckt zu haben, indem er sie auf die „Entwicklung des menschlichen Geistes“ zurückführt (OC III, 162). Tatsächlich ist das, was Rousseau den „ersten Schritt zur Ungleichheit“ (OC III, 169) nennt, ein psychologisches Phänomen: die Entstehung einer inhärent sozialen Leidenschaft, die er (später im Text) „amour propre“ nennt. Hier ist die Stelle, an der diese Leidenschaft – der Wunsch, angeschaut zu werden, angesehen zu sein, öffentliche Wertschätzung zu erhalten oder Respekt zu erlangen – zum ersten Mal im zweiten Diskurs auftaucht, ohne als solche benannt zu werden: