Luxus wird im 18. Jahrhundert vornehmlich als eine ökonomische und eine moralische Frage diskutiert (Hont 2006). Rousseau hingegen betrachtet Luxus in seinen Auswirkungen auf die politische Verfassung des Gemeinwesens. Sein erster Diskurs (1750) sieht im Luxus eine Begleiterscheinung von Kunst und Wissenschaft – beide haben ihre Wurzeln in einer widernatürlichen, gesellschaftlich erzeugten Geltungssucht und bedienen mit ihren Produkten lediglich künstliche Bedürfnisse. Luxus umfasst demnach den Bereich der menschlichen Kultur, der sich durch die zivilisatorische Entwicklung von den ursprünglichen Formen des natürlichen Zusammenlebens entfernt hat. Gerade der erste Diskurs spricht ein sehr eindeutiges Urteil: Luxus ist im Namen der politischen Bestimmung des Menschen abzulehnen. Er zerstört die bürgerschaftlichen Bindungen, weil er das individuelle Distinktionsbedürfnis vor die Möglichkeit gemeinwohlorientierter Tugend stellt. Damit ist er Ausdruck von Ungleichheit und gesellschaftlicher Hierarchie – Luxus ist damit gleichsam ein Symptom für den Zerfall einer republikanischen, auf Statusgleichheit aufgebauten Ordnung.

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Luxus/Luxe

  • Daniel Schulz

摘要

Luxus wird im 18. Jahrhundert vornehmlich als eine ökonomische und eine moralische Frage diskutiert (Hont 2006). Rousseau hingegen betrachtet Luxus in seinen Auswirkungen auf die politische Verfassung des Gemeinwesens. Sein erster Diskurs (1750) sieht im Luxus eine Begleiterscheinung von Kunst und Wissenschaft – beide haben ihre Wurzeln in einer widernatürlichen, gesellschaftlich erzeugten Geltungssucht und bedienen mit ihren Produkten lediglich künstliche Bedürfnisse. Luxus umfasst demnach den Bereich der menschlichen Kultur, der sich durch die zivilisatorische Entwicklung von den ursprünglichen Formen des natürlichen Zusammenlebens entfernt hat. Gerade der erste Diskurs spricht ein sehr eindeutiges Urteil: Luxus ist im Namen der politischen Bestimmung des Menschen abzulehnen. Er zerstört die bürgerschaftlichen Bindungen, weil er das individuelle Distinktionsbedürfnis vor die Möglichkeit gemeinwohlorientierter Tugend stellt. Damit ist er Ausdruck von Ungleichheit und gesellschaftlicher Hierarchie – Luxus ist damit gleichsam ein Symptom für den Zerfall einer republikanischen, auf Statusgleichheit aufgebauten Ordnung.