Das Verhältnis zwischen Rousseau und den Enzyklopädisten gleicht dem Verhältnis von Parteizugehörigkeit und Freundschaft. Aus Sicht der Parteigänger werden persönliche Rivalitäten und Neigungen der gemeinsam vertretenen Sache untergeordnet, um in einer konzertierten Aktion Machtpositionen zu besetzen, die öffentliche Meinung zu formen und so die gesellschaftliche Konstellation langfristig zu verändern. So argumentierte Jean le Rond d’Alembert, der zwar 1759 die Herausgeberschaft der Encyclopédie verließ, aber als ständiger Sekretär der Académie Française, Gesprächspartner von Friedrich dem Großen und Mitglied sämtlicher europäischer Wissenschaftsakademien die Sache der Encyclopédie europaweit vertrat, für Rousseaus Zugehörigkeit zu den „philosophes“, als eine Art „Diogenes“, noch im Jahr 1761 gegenüber Voltaire (d’Alembert 1967, I, 78). Rousseau jedoch sah die gemeinsame Sache nicht in der Parteibildung, der er als „geborener Feind“ (OC I, 436) gegenüber stand, sondern in den geteilten epistemologischen Prämissen sowie deren moralischen Konsequenzen. Er distanzierte sich aufgrund affektiver Entwicklungen, enttäuschter Freundschaften, von den Enzyklopädisten. Mit dieser affektiv begründeten Distanzierungsbewegung hängt Rousseaus ambivalente Positionierung in der diskursiven Konstellation der radikalen Aufklärung Frankreichs eng zusammen.

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Enzyklopädisten

  • Dagmar Comtesse

摘要

Das Verhältnis zwischen Rousseau und den Enzyklopädisten gleicht dem Verhältnis von Parteizugehörigkeit und Freundschaft. Aus Sicht der Parteigänger werden persönliche Rivalitäten und Neigungen der gemeinsam vertretenen Sache untergeordnet, um in einer konzertierten Aktion Machtpositionen zu besetzen, die öffentliche Meinung zu formen und so die gesellschaftliche Konstellation langfristig zu verändern. So argumentierte Jean le Rond d’Alembert, der zwar 1759 die Herausgeberschaft der Encyclopédie verließ, aber als ständiger Sekretär der Académie Française, Gesprächspartner von Friedrich dem Großen und Mitglied sämtlicher europäischer Wissenschaftsakademien die Sache der Encyclopédie europaweit vertrat, für Rousseaus Zugehörigkeit zu den „philosophes“, als eine Art „Diogenes“, noch im Jahr 1761 gegenüber Voltaire (d’Alembert 1967, I, 78). Rousseau jedoch sah die gemeinsame Sache nicht in der Parteibildung, der er als „geborener Feind“ (OC I, 436) gegenüber stand, sondern in den geteilten epistemologischen Prämissen sowie deren moralischen Konsequenzen. Er distanzierte sich aufgrund affektiver Entwicklungen, enttäuschter Freundschaften, von den Enzyklopädisten. Mit dieser affektiv begründeten Distanzierungsbewegung hängt Rousseaus ambivalente Positionierung in der diskursiven Konstellation der radikalen Aufklärung Frankreichs eng zusammen.