Im Herbst 1776 begann Jean-Jacques Rousseau in Paris mit der Niederschrift seiner Rêveries du promeneur solitaire, seinem letzten, unvollendet gebliebenen Werk, an dem er bis 1778 arbeitete. Es besteht aus zehn Abschnitten, die er jeweils „Spaziergang [Promenade]“ nannte. Wie ein „einsamer Spaziergänger“ hängt der Autor hier seinen Gedanken über die Natur, den Glauben, die Wahrheit, die Liebe etc. nach, um immer wieder zu der einen Frage zurückzukehren: Wer bin ich? Selbsterkenntnis im philosophischen Verständnis ist das Ziel dieser Arbeit. In diesem Sinne verweisen die Rêveries zwar auf die Confessions und auch auf die Dioaloques (OC I, 1000), allerdings sind sie sowohl im Stil als auch in Bezug auf Zielsetzung und Adressaten davon verschieden. Im Gegensatz zu den Confessions und Dialogues, die als „Selbstbeschreibung“ geschrieben wurden, betont der Autor nun, dass er die Rêveries als eine Form der „Selbsterschreibung“ nur für sich verfasse (OC I, 1001, 1978, II, 646). Im Mittelpunkt stehen also nicht mehr das Leben und Werk Jean-Jacques Rousseaus, sondern das, was das Leben für den Autor lebenswert macht und ihn mit sich versöhnt. Die demonstrative Ruhe und Selbstgenügsamkeit der Rêveries, in denen sich der Autor nur noch mit sich selbst beschäftigt, sollen unterstreichen, dass er in seiner Abgeschiedenheit vom gesellschaftlichen Leben und im Bewusstsein seines Lebensendes endlich zu sich selbst findet und in sich ruht.

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Träumereien des einsamen Spaziergängers/Rêveries du promeneur solitaire (1782)

  • Skadi S. Krause

摘要

Im Herbst 1776 begann Jean-Jacques Rousseau in Paris mit der Niederschrift seiner Rêveries du promeneur solitaire, seinem letzten, unvollendet gebliebenen Werk, an dem er bis 1778 arbeitete. Es besteht aus zehn Abschnitten, die er jeweils „Spaziergang [Promenade]“ nannte. Wie ein „einsamer Spaziergänger“ hängt der Autor hier seinen Gedanken über die Natur, den Glauben, die Wahrheit, die Liebe etc. nach, um immer wieder zu der einen Frage zurückzukehren: Wer bin ich? Selbsterkenntnis im philosophischen Verständnis ist das Ziel dieser Arbeit. In diesem Sinne verweisen die Rêveries zwar auf die Confessions und auch auf die Dioaloques (OC I, 1000), allerdings sind sie sowohl im Stil als auch in Bezug auf Zielsetzung und Adressaten davon verschieden. Im Gegensatz zu den Confessions und Dialogues, die als „Selbstbeschreibung“ geschrieben wurden, betont der Autor nun, dass er die Rêveries als eine Form der „Selbsterschreibung“ nur für sich verfasse (OC I, 1001, 1978, II, 646). Im Mittelpunkt stehen also nicht mehr das Leben und Werk Jean-Jacques Rousseaus, sondern das, was das Leben für den Autor lebenswert macht und ihn mit sich versöhnt. Die demonstrative Ruhe und Selbstgenügsamkeit der Rêveries, in denen sich der Autor nur noch mit sich selbst beschäftigt, sollen unterstreichen, dass er in seiner Abgeschiedenheit vom gesellschaftlichen Leben und im Bewusstsein seines Lebensendes endlich zu sich selbst findet und in sich ruht.