Betrachtungen über die Regierung von Polen und ihre beabsichtigte Reformierung/Considérations sur le gouvernement de Pologneet sur sa réformation projetée (1782)
摘要
Im Gegensatz zu seinen Überlegungen zu Korsika, die durch ihren Entstehungskontext eng mit dem Contrat social (1762) und den Lettres écrites de la Montagne (1763) verbunden sind, scheinen Rousseaus Betrachtungen zur polnischen Regierung, die zwischen 1770 und 1771 entstanden, zunächst ganz von den aktuellen politischen Ereignissen in Osteuropa getragen zu sein (Rousseau 1990, 34). Zugleich müssen sie jedoch auch als Teil einer europaweiten intellektuellen Debatte betrachtet werden, denn nach dem Siebenjährigen Krieg war das Interesse der Aufklärer an internationaler Politik deutlich gewachsen. Litauen-Polen war kein kleiner blinder Fleck mehr auf der europäischen Landkarte, sondern ein großer Flächenstaat, dessen Existenz auf dem Spiel stand und dessen Verschwinden die europäische Gesamtordnung zu gefährden drohte und schon aus diesem Grund Aufmerksamkeit hervorrief (Fabre 1959–1962, 205). Was stand auf dem Spiel, wenn Polen eines Tages nicht mehr existierte?