Der Beitrag nimmt die gemeinsame Etymologie der Termini ‚virtual‘ und ‚virtud‘ zum Anlass, um nach den Spiegelungen des Miteinanders in der comedia des 17. Jh. zu fragen. Die Etymologie von ‚virtud‘ und ‚virtual‘ legt ihre vielschichtige Semantik und die Notwendigkeit einer Historisierung offen. Während ‚virtud‘ im 17. Jh. nicht nur Tugend, sondern auch Fähigkeit, Wirkkraft und Handlungsvermögen heißt, zeugt das Virtuelle von Kraft und Potentialität. Die Virtualität des Spiegels wirkt sich auf das Subjekt aus, das sich in ihm er- und verkennt (Lacan) und in Beziehung zu sich selbst sowie seiner Umwelt setzt (Foucault). An zwei comedias, Tirso de Molinas El vergonzoso en palacio und Calderóns El Conde Lucanor, wird gezeigt, wie diese den Spiegel als Requisite nutzen und mit mises en abyme arbeiten, um Dopplungen zwischen dem Publikum und den Figuren zu erzeugen. Diese Spiegelungen reflektieren eine Virtualität der Affekte im extraliterarischen Miteinander. Über die Denkfigur des Spiegels lässt sich dieses wiederum selbst als ein theatrales Miteinander metaphorisieren.

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Spiegelungen des Miteinanders: Virtualität und Tugend in der spanischen comedia des 17. Jahrhunderts (Tirso de Molina, Calderón)

  • Jenny Augustin

摘要

Der Beitrag nimmt die gemeinsame Etymologie der Termini ‚virtual‘ und ‚virtud‘ zum Anlass, um nach den Spiegelungen des Miteinanders in der comedia des 17. Jh. zu fragen. Die Etymologie von ‚virtud‘ und ‚virtual‘ legt ihre vielschichtige Semantik und die Notwendigkeit einer Historisierung offen. Während ‚virtud‘ im 17. Jh. nicht nur Tugend, sondern auch Fähigkeit, Wirkkraft und Handlungsvermögen heißt, zeugt das Virtuelle von Kraft und Potentialität. Die Virtualität des Spiegels wirkt sich auf das Subjekt aus, das sich in ihm er- und verkennt (Lacan) und in Beziehung zu sich selbst sowie seiner Umwelt setzt (Foucault). An zwei comedias, Tirso de Molinas El vergonzoso en palacio und Calderóns El Conde Lucanor, wird gezeigt, wie diese den Spiegel als Requisite nutzen und mit mises en abyme arbeiten, um Dopplungen zwischen dem Publikum und den Figuren zu erzeugen. Diese Spiegelungen reflektieren eine Virtualität der Affekte im extraliterarischen Miteinander. Über die Denkfigur des Spiegels lässt sich dieses wiederum selbst als ein theatrales Miteinander metaphorisieren.