Begegnungen und Gedanken
摘要
René Rilke war ein unglückliches Kind: So hat er es später dargestellt, und so hat er es wohl auch erlebt. Die Verhältnisse, in die er geboren wurde, waren beengt und freudlos, die Eltern trennten sich, als er neun war. Er fühlte sich von ihnen unverstanden in seiner Eigenart. Doch schon früh ist er mit Literatur in Berührung gekommen. Das verdankte er seiner ungeliebten Mutter, Sophie, geborene Entz, einer frömmelnden Frau mit einem Hang zu Höherem, die, wie später der Sohn, fest an die – nicht nachweisbare – adelige Herkunft der Familie geglaubt hat. Sie hat ihn bereits als Kind angehalten, Gedichte abzuschreiben und auswendig zu lernen. So galt seine Neigung bald der Literatur, zumal sie ihm half, für seine „Vereinsamung und Verzweiflung“ schon früh einen „Ausgleich zu finden, indem er viel mehr im eigenen Inneren, in der Einbildungskraft, lebte, als in der äußeren Welt“.