Ukrainische Literatur im Habsburgerreich
摘要
Mit der Ersten Teilung Polens (1772) fallen auch große Teile der Westukraine an Österreich. Sie bilden zusammen mit polnischen Gebieten das Königreich Galizien und Lodomerien. Die relativ günstigen Bedingungen für die Ukrainer („Ruthenen“) im Habsburgerreich zeigen sich auch in der Entwicklung des literarischen Lebens. In Ostgalizien entsteht eine Strömung der ukrainischen Romantik, die im Schaffen der Autoren der sogenannten „Lemberger Dreifaltigkeit“ (Markijan Šaškevyč, Jakiv Holovac’kyj, Ivan Vahylevyč) gipfelt. Auch nach den Enttäuschungen des gescheiterten Völkerfrühlings von 1848 geht das literarische Schaffen der Ruthenen weiter, allerdings nicht mehr in der von der Romantik propagierten Volkssprache. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlagert sich der Schwerpunkt des ukrainischen Schrifttums im Habsburgerreich in die Bukowina, ein von Galizien territorial und administrativ getrenntes Kronland. Jurij Fed’kovyčs lyrisches und episches Werk stellt einen letzten Höhepunkt der Romantik in der Westukraine dar, während Olʼha Kobyljansʼka mit ihrer innovativen Prosa eine Brücke in Richtung der Moderne schlägt.