Von einer ukrainischen Literatur kann man seit dem 11. Jahrhundert sprechen. Damals entwickelte sich ein lebhaftes christliches Schrifttum, das im kyrillischen Alphabet auf Ostslavisch und Kirchenslavisch verfasst wurde. Liturgische, historische und erbauliche Werke aus der byzantinischen Literatur wurden übersetzt. Mönche und einige wenige Laien schrieben wertvolle Texte in verschiedenen Genres. Die Kyjiver Texte folgen oft der byzantinischen Tradition, daneben finden sich aber auch höchst originelle Werke. Unter den vielen Heiligenleben gibt es Viten von neuen ostslavischen Märtyrern oder von Kloster- und Kirchengründern. Die Geschichtsschreibung verarbeitet sowohl byzantinische als auch ostslavische Quellen, klösterliche und mündliche Überlieferungen. Den Kanon vervollständigen Berichte über Pilgerreisen, Episteln, Überreste von Volkgesängen und einige rätselhafte Texte wie das berühmte Igorlied, dessen Authentizität bis heute umstritten ist. Das frühe Textkorpus der ukrainischen Literatur ist Gegenstand des schon lange andauernden Streits um das Kyjiver Erbe, der zwischen russischen und ukrainischen Historikern ausgefochten wird. Unabhängig von diesen Auseinandersetzungen lässt sich aber die Stellung der Kyjiver Literatur zwischen West und Ost klar definieren.

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Die Literatur in der Kyjiver Rus'

  • Giovanna Brogi

摘要

Von einer ukrainischen Literatur kann man seit dem 11. Jahrhundert sprechen. Damals entwickelte sich ein lebhaftes christliches Schrifttum, das im kyrillischen Alphabet auf Ostslavisch und Kirchenslavisch verfasst wurde. Liturgische, historische und erbauliche Werke aus der byzantinischen Literatur wurden übersetzt. Mönche und einige wenige Laien schrieben wertvolle Texte in verschiedenen Genres. Die Kyjiver Texte folgen oft der byzantinischen Tradition, daneben finden sich aber auch höchst originelle Werke. Unter den vielen Heiligenleben gibt es Viten von neuen ostslavischen Märtyrern oder von Kloster- und Kirchengründern. Die Geschichtsschreibung verarbeitet sowohl byzantinische als auch ostslavische Quellen, klösterliche und mündliche Überlieferungen. Den Kanon vervollständigen Berichte über Pilgerreisen, Episteln, Überreste von Volkgesängen und einige rätselhafte Texte wie das berühmte Igorlied, dessen Authentizität bis heute umstritten ist. Das frühe Textkorpus der ukrainischen Literatur ist Gegenstand des schon lange andauernden Streits um das Kyjiver Erbe, der zwischen russischen und ukrainischen Historikern ausgefochten wird. Unabhängig von diesen Auseinandersetzungen lässt sich aber die Stellung der Kyjiver Literatur zwischen West und Ost klar definieren.