Ukrainische Literatur im Polen der Zwischenkriegszeit
摘要
Nach dem Scheitern der beiden ukrainischen Staatsgründungen (Ukrainische Volksrepublik in Kyjiv, Westukrainische Volksrepublik in Lʼviv) nach Ende des Ersten Weltkriegs fielen jene westukrainischen Gebiete, die seinerzeit zu Österreich gehört hatten, an die neu entstandene Zweite polnische Republik, in der allerdings die nationalen Spannungen zwischen Polen und Ukrainern zunahmen. Das literarische Leben beider nationaler Gruppen konzentrierte sich in Lʼviv, wo sich zahlreiche ukrainische und polnische literarische Gruppierungen bildeten, die in der Regel auch über eine eigene Zeitschrift als Sprachrohr verfügten. Das ideologische Spektrum, dem sich die ukrainischen literarischen Gruppen zugehörig fühlten, war sehr breit, von einer katholischen über eine liberale und nationale bis zu einer kommunistischen Orientierung. Eine der wichtigsten Zeitschriften war der Literarisch-wissenschaftliche Bote, der von Dmytro Doncov, dem Ideologen des ukrainischen Nationalismus, herausgegeben wurde und vielen jungen Autoren sowohl im Inland als auch in der Emigration eine gemeinsame Plattform bot. Fern von allen diesen Lagern stand der wohl wichtigste ukrainische Dichter in Zwischenkriegspolen, Bohdan-Ihor Antonyč, ein gebürtiger Lemke, der in seinen Gedichten modernistische mit avantgardistischen Zügen verband. Trotz seines relativ bescheidenen Werks (Antonyč starb mit nur 28 Jahren) gehört dieser Dichter, der in der Sowjetukraine verpönt war, zu den wichtigsten Vertretern der Moderne in der ganzen Ukraine.