Mathematik. Von Zauberformeln, sinnlicher Logik und echter Wissenschaft bei Friedrich Schlegel, Friedrich von Hardenberg und Johann Wolfgang von Goethe
摘要
Der Beitrag geht exemplarisch Bildern der Mathematik um 1800 nach und ordnet sie in zeitgenössische wissensgeschichtliche, ästhetische und philosophische Kontexte ein: Friedrich Schlegel schätzte die Mathematik aufgrund der ästhetischen Qualität ihrer Formelsprache, die er nutzte, um den Gehalt seiner Philosopheme sinnlich erfahrbar zu machen. Friedrich Hardenbergs emphatische Einschätzung der Mathematik als divinatorische Erfindungskunst schlug sich in Denkexperimenten und literarischen Texten nieder, er integrierte neben dem ästhetischen auch das epistemische Potenzial der Mathematik in seine Utopie eines goldenen Zeitalters. Im Gegensatz zu den beiden Frühromantikern stand Goethe der Mathematisierung der Wissenschaften kritischer gegenüber. Er grenzte die Mathematik nicht nur dezidiert aus dem Bereich des Ästhetischen aus, sondern fragte insbesondere auch nach den ethischen Implikationen eines durch den Siegeszug der Mathematik beförderten primär rational-instrumentellen Zugriffs auf die Welt.