Elemente einer verantwortlichen, transparenten und umfassenden Ermittlung der Treibhausgasemissionen von Hochschulen
摘要
Seit rund 10 Jahren nimmt das Interesse an der Modellierung von klimarelevanten Emissionen der Hochschulen weltweit kontinuierlich zu; das internationale Nachhaltigkeitsziel SDG 13 fordert dringend Maßnahmen zur Emissionsminderung. Mit der Verbreiterung der Datenbasis und dem Engagement von immer mehr Hochschulen zur Erfassung der eigenen Treibhausgas (THG)-Emissionen stellt sich jetzt jedoch dringlich die Frage nach einer Standardisierung der Modellierung. Bislang werden teils vollkommen unterschiedliche Anteile an klimarelevanten Emissionen bilanziert, wodurch sich für den gleichen Campus zwischen 6 t CO2 und 2696 t CO2e ermitteln lassen. Obwohl Hochschulen in der Situation institutioneller Verbraucher sind, wenden sie zum Teil die staatliche Sektorlogik an, wodurch die Verantwortung für selbst ausgelöste Emissionen weggeschoben wird. Dies kommt einem Greenwashing der Emissionsbilanz gleich. Dem gleichen Effekt unterliegt auch die Berichterstattung nach dem Greenhouse Gas Protokoll, das sich weltweit durchgesetzt hat. Durch die separierten und nur freiwillig abgedeckten Emissionen nach scope 3 (vor- und nachgelagerte Prozesse) kommt es auch hier zur Verantwortungsdelegation. Institutionelle wie private Verbraucher sind jedoch verantwortlich für die Auslösung der vor- und nachgelagerten Emissionen. Wegen der weltweiten Verflechtung der Lieferketten kommt immer ein Teil der beschafften Waren aus dem Ausland, vor allem aus China. Weil China und nachlaufend auch Indien die globale Wirtschaft dominieren und Jahrzehnte später zu dekarbonisieren planen als Europa, ist der sektorale Ansatz der THG-Emissionsbilanzierung aus Verbrauchersicht nicht gangbar, sondern es muss der ökobilanzielle gewählt werden. Lediglich eine solche ehrliche Bilanzierung würde in einen echten klimatechnischen Vorteil münden, wenn die Hochschulen sich Minderungsziele setzen, dekarbonisieren und ihre verbleibenden Emissionen kompensieren. Für diese Bilanzierung wird ein Standardset von hochschuleigenen und durch die Hochschule in der Nutzungsphase ausgelösten Emissionen, das inzwischen weltweit angewandt wird, vorgeschlagen. Eine solche Emissionsmodellierung sollte anschließend in die Ermittlung der hochschulspezifischen Klimaperformance münden (CO2e-Emissionen pro Kopf und pro m2 umbauter Fläche), da nur so ein objektiver Vergleich unter Hochschulen sowie die Aufstellung von Qualitätszielen möglich sind. Bei der Betrachtung der Klimaperformances von Hochschulen weltweit treten große Unterschiede bis um den Faktor 10 auf, jedoch keine Präferenzen im Hinblick auf die Einrichtungsgröße oder die Klimazone. Eine gute Klimaperformance (bis 100 kg CO2e/m2 × Jahr und bis 1 t CO2e/Kopf × Jahr) ist für alle Hochschulen realistisch erreichbar. Infrastruktur- und Beschaffungsaufwendungen müssen separat erfasst werden. Hier stellt sich die Datenlage in Bezug auf Hochschulen viel dünner dar. Da solche Aufwendungen diskontinuierlich anfallen, können sie die jährliche Klimaperformance in der Nutzungsphase stark beeinflussen. Wie in der Ökobilanzierung von Gebäuden üblich, müssen derartige Klimakosten über die Nutzungszeit abgeschrieben werden. Nur so können sinnvolle bzw. optimierte Beschaffungs-, Investitions- und Bauentscheidungen getroffen und damit langfristig die THG-Emissionen gesenkt werden.