Resümee
摘要
War Autonomie/Mündigkeit seit der Aufklärung ein zentraler Bildungsbegriff der Bildungstheorie, so hat sie ihre prominente Stellung bis in die späten 60er Jahre halten können. Wie in diesem Abschnitt der Arbeit aufgezeigt, wurden hier bereits Weichen für neue Bildungsschwerpunkte und Methoden gestellt. Halten wir also das Wesentliche fest: Dem humanistischen Bildungsideal zufolge ist die Aufgabe der Bildung, dem Menschen dabei zu helfen, eine reife, mündige, selbstbestimmte Persönlichkeit zu entwickeln. Der gebildete Mensch muss imstande sein, sich ggf. aus dem vertrauten aber als unrichtig erkanntem System heraus zu emanzipieren, sich kritisch und vernünftig mit seiner eigenen und gesamtgesellschaftlichen Lebenswirklichkeit auseinander zu setzen, sie kritisch reflektieren zu können und sich auch gegen seine Kultur und sein System zu stellen, wenn ihm dies vernünftig erscheint. Der Bildungsprozess ist nicht nach dem materiellen Nutzen ausgerichtet, sondern er gleicht vielmehr einem Reifungsprozess hin zur Mündigkeit, zur Selbstbestimmung des Individuums und mit ihm der Gesellschaft. Jochen Krautz schreibt dazu: „Allgemeine Bildung ist zweckfrei, aber nicht zwecklos. Sie dient dazu, Selbständigkeit, Kritikfähigkeit, Verantwortlichkeit, Friedfertigkeit“ und „Handlungsfähigkeit herauszubilden. Bildung dient also der Menschwerdung des Menschen“. Die polnische Philosophin und Professorin für philosophische Ethik, Barbara Skarga, weist darauf hin, dass der drohende Verlust des Subjekts, eine mögliche, gefährliche Entwicklung beinhaltet. Was der Gesellschaft mit dem Verlust des Individuums verloren gehe, beschreibt sie wie folgt: „Streichen wir das Subjekt, das Individuum, so streichen wir die Verantwortung. Kritik der Subjektivität und das Stichwort „Ende des Menschen“ sind für mich gleich gefährlich wie […] Anonymität.“ Wenn die Herausbildung der Individualität mittels Bildung nicht gewährleistet ist, gehen mit ihr die geistige Erfahrung und all die Eigenschaften verloren, die zur Menschwerdung dazugehören. Um Autonomie zu entwickeln und zu erhalten muss die Gesellschaft das Individuum als Solches erhalten.