Experimente in der Zeit der „Aufklärung“
摘要
Überdies gab es – nicht nur in der nationalistischen Stimmung vor und nach 1900 – gute Gründe, Glucks Experiment in Alceste als unmittelbares Vorbild für den bis heute meistgespielten Opernkomponisten des 18. Jahrhunderts in Anspruch zu nehmen. Denn auch Mozarts Ouvertüre zu Don Giovanni (Prag 1787) beginnt in der Tonart d-Moll mit einem von drei Posaunen verdüsterten Orchesterklang und synkopisch gegen den Takt gesetzten Akkorden, wie sie in Glucks „Intrada“ dann im weiteren Verlauf begegnen. In der kurzen langsamen Einleitung lässt Mozart eine Schlüsselstelle aus der eigentlichen Opernpartitur aufblitzen. Die furchteinflößenden d-Moll-Akkorde kehren zur Höllenfahrt des Titelhelden kurz vor dem Ende des letzten Aktes wieder. Ganz ähnlich nimmt Mozart in Così fan tutte (Wien 1790) das Motto des Titels als „Moral von der Geschicht‘“ instrumental schon in den ersten Takten der Sinfonia vorweg, lange bevor es in der drittletzten Szene der Oper von den drei männlichen Hauptfiguren angestimmt werden wird. Bei einem Blick auf andere Opern Glucks und seiner Wiener Zeitgenossen zeigt sich, dass der sehr enge Zusammenhang zwischen der Bühnenhandlung und der Struktur einer für das Theater geschriebenen Ouvertüre eine seltene Ausnahme blieb. Die überkommene dekorative Funktion der Sinfonia blieb auch in der Habsburg-Monarchie noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Regel.