Die Literaturkritik gibt sich wissenschaftlich-objektiv. In Wahrheit jedoch, so die Diagnose Barthes’, implementiert sie sehr spezifische, meist essentialisierende Auffassungen von Mensch, Literatur und Geschichte. Dieser Tradition der Literaturkritik stellt Barthes das Projekt einer Neuverteilung der Rollen von Autor und Kritiker gegenüber. Für Barthes bedeutet Schreiben nicht, die Welt oder den Menschen auf überzeitlich wahre Weise darzustellen, sondern Schreiben bedeutet, die Welt zu ordnen, sie ‚zurechtzumachen‘. Von dieser Absage an den objektiven Zugriff des Ideologischen ist nicht nur der Schriftsteller, sondern auch der Kritiker betroffen.

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Kritik

  • Melanie Reichert

摘要

Die Literaturkritik gibt sich wissenschaftlich-objektiv. In Wahrheit jedoch, so die Diagnose Barthes’, implementiert sie sehr spezifische, meist essentialisierende Auffassungen von Mensch, Literatur und Geschichte. Dieser Tradition der Literaturkritik stellt Barthes das Projekt einer Neuverteilung der Rollen von Autor und Kritiker gegenüber. Für Barthes bedeutet Schreiben nicht, die Welt oder den Menschen auf überzeitlich wahre Weise darzustellen, sondern Schreiben bedeutet, die Welt zu ordnen, sie ‚zurechtzumachen‘. Von dieser Absage an den objektiven Zugriff des Ideologischen ist nicht nur der Schriftsteller, sondern auch der Kritiker betroffen.