Roland Barthes hat den Begriff der Atopie den Dialogen Platons (άτοπος, ‚átopos‘; άτοποι, ‚átopoi‘) entlehnt. Atopisch bedeutet in den platonischen Texten so viel wie ‚abgeschmackt‘‚ ‚ungereimt‘, ‚ratlos‘, ‚seltsam‘ bzw. ‚ungewohnt‘, ‚wunderlich‘, ‚unfassbar‘. Sokrates ist ‚atopisch‘, weil er ein ortloser Störenfried ist – und damit nicht nur ein philosophischer, sondern politisch gefährlicher Sonderling. In den Fragments d’un discours amoureux bezieht sich Barthes in dem Abschn. „Atopos“ auf Platons Dialog Menon, in dem Sokrates mit einem elektrisierenden Zitterrochen verglichen wird, der seine Dialogpartner verwirrt und sich selbst einer eindeutigen Zuordnung entzieht. Barthes etabliert die Atopie als indirekte Form des gesellschaftlichen Engagements, als subtile Strategie, um den Zwängen der vorgegebenen Sprachregelungen zu entkommen.

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Atopie

  • Angela Oster

摘要

Roland Barthes hat den Begriff der Atopie den Dialogen Platons (άτοπος, ‚átopos‘; άτοποι, ‚átopoi‘) entlehnt. Atopisch bedeutet in den platonischen Texten so viel wie ‚abgeschmackt‘‚ ‚ungereimt‘, ‚ratlos‘, ‚seltsam‘ bzw. ‚ungewohnt‘, ‚wunderlich‘, ‚unfassbar‘. Sokrates ist ‚atopisch‘, weil er ein ortloser Störenfried ist – und damit nicht nur ein philosophischer, sondern politisch gefährlicher Sonderling. In den Fragments d’un discours amoureux bezieht sich Barthes in dem Abschn. „Atopos“ auf Platons Dialog Menon, in dem Sokrates mit einem elektrisierenden Zitterrochen verglichen wird, der seine Dialogpartner verwirrt und sich selbst einer eindeutigen Zuordnung entzieht. Barthes etabliert die Atopie als indirekte Form des gesellschaftlichen Engagements, als subtile Strategie, um den Zwängen der vorgegebenen Sprachregelungen zu entkommen.