S/Z, Roland Barthes’ 1970 veröffentlichte Interpretation und Fortschreibung von Honoré de Balzacs Novelle Sarrasine (1830) nimmt nicht deren Autor zum Ausgangspunkt, sondern die Struktur seines Texts sowie jene vielfachen Sinn-Relationen, die als fünf Codes die Geschichte des Bildhauers Sarrasine und seiner Liebe zu Zambinella in ihren symbolischen, semischen, hermeneutischen, handlungsbezogenen und kulturellen Sinnzusammenhängen durchziehen. Barthes’ Metatext geriet so nicht zur abgeschlossenen Textkritik, sondern zu einer zwar systematisch, aber frei kommentierenden und eben dadurch kritischen Literatur, zum säkularen Residuum des einstmals sakralen philologischen Textkommentars innerhalb der Textkritik des Poststrukturalismus und seiner Überwindung binärer Fixierungen, autoritärer Sinnzuschreibungen und endgültiger Bedeutungszuweisungen. S/Z bietet der LeserInnenschaft ein ‚träumendes‘ Text-Gemälde in Umkehrung der von Barthes zur Zeit der Entstehung des Bandes selbst aufgeworfenen Frage: „Ist Malerei eine Sprache?“. Als sowohl theoretischer wie literarischer Text fordert S/Z zur produktiven Lektüre, zu immer neuer Schreibarbeit an vermeintlich bekanntem Textmaterial auf.

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S/Z (S/Z)

  • Markus Alexander Lenz

摘要

S/Z, Roland Barthes’ 1970 veröffentlichte Interpretation und Fortschreibung von Honoré de Balzacs Novelle Sarrasine (1830) nimmt nicht deren Autor zum Ausgangspunkt, sondern die Struktur seines Texts sowie jene vielfachen Sinn-Relationen, die als fünf Codes die Geschichte des Bildhauers Sarrasine und seiner Liebe zu Zambinella in ihren symbolischen, semischen, hermeneutischen, handlungsbezogenen und kulturellen Sinnzusammenhängen durchziehen. Barthes’ Metatext geriet so nicht zur abgeschlossenen Textkritik, sondern zu einer zwar systematisch, aber frei kommentierenden und eben dadurch kritischen Literatur, zum säkularen Residuum des einstmals sakralen philologischen Textkommentars innerhalb der Textkritik des Poststrukturalismus und seiner Überwindung binärer Fixierungen, autoritärer Sinnzuschreibungen und endgültiger Bedeutungszuweisungen. S/Z bietet der LeserInnenschaft ein ‚träumendes‘ Text-Gemälde in Umkehrung der von Barthes zur Zeit der Entstehung des Bandes selbst aufgeworfenen Frage: „Ist Malerei eine Sprache?“. Als sowohl theoretischer wie literarischer Text fordert S/Z zur produktiven Lektüre, zu immer neuer Schreibarbeit an vermeintlich bekanntem Textmaterial auf.