Ihre Heirat mit Herzog Philipp von Orléans und ihre Niederlassung in Frankreich, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte, machen die Bibliothek von Elisabeth Charlotte von Orléans zu einem Sonderfall innerhalb deutscher Fürstinnenbibliotheken. Ihre kulturelle Sozialisation und Lektürepraxis wurden maßgeblich von ihrem französischen Umfeld und der Bedeutung von Hof und Hauptstadt im zentralistischen Frankreich geprägt. Nachlassinventar und Briefwechsel, die Hauptquellen zur Erkundung ihres Bücherbestands, vermitteln das Bild einer für den französischen – weiblichen – Adel nicht untypischen Bibliothek. Charakteristisch ist im Vergleich zu den Bibliotheken früheren bzw. im Reich residierender deutscher Fürstinnen der Rückgang der traditionellen Andachts- und Erbauungsliteratur und der Zuwachs an einer an der Vermittlung von faktischem Wissen orientierten Fachliteratur sowie an einer breitgefächerten Unterhaltungsliteratur (Romane, Märchen), die zunehmend von Frauen und für ein weibliches Publikum verfasst wurde. Insgesamt zeichnet sich diese Bibliothek durch ihre Aufgeschlossenheit und ihre zeitlich-ideelle Einordnung an der Schwelle zur Vor- bzw. Frühaufklärung aus.

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„Livres de Son Altesse Madame“. Elisabeth Charlotte von Orléans und ihre französischen Bücher

  • Elisabeth Rothmund

摘要

Ihre Heirat mit Herzog Philipp von Orléans und ihre Niederlassung in Frankreich, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbrachte, machen die Bibliothek von Elisabeth Charlotte von Orléans zu einem Sonderfall innerhalb deutscher Fürstinnenbibliotheken. Ihre kulturelle Sozialisation und Lektürepraxis wurden maßgeblich von ihrem französischen Umfeld und der Bedeutung von Hof und Hauptstadt im zentralistischen Frankreich geprägt. Nachlassinventar und Briefwechsel, die Hauptquellen zur Erkundung ihres Bücherbestands, vermitteln das Bild einer für den französischen – weiblichen – Adel nicht untypischen Bibliothek. Charakteristisch ist im Vergleich zu den Bibliotheken früheren bzw. im Reich residierender deutscher Fürstinnen der Rückgang der traditionellen Andachts- und Erbauungsliteratur und der Zuwachs an einer an der Vermittlung von faktischem Wissen orientierten Fachliteratur sowie an einer breitgefächerten Unterhaltungsliteratur (Romane, Märchen), die zunehmend von Frauen und für ein weibliches Publikum verfasst wurde. Insgesamt zeichnet sich diese Bibliothek durch ihre Aufgeschlossenheit und ihre zeitlich-ideelle Einordnung an der Schwelle zur Vor- bzw. Frühaufklärung aus.