Den Gotthelf-Leser*innen wird es schnell klar, dass Gotthelf sich intensiv für Politik interessierte und sich mit zeitpolitischen Fragen auseinandersetzte. Seine Angriffe gegen politische Feinde waren nicht nur häufig, sondern konnten auch heftig sein, und sie veranlassten seine Freunde, ihn oft zu mahnen, er solle die Politik besser sein lassen. Schon in seinem ersten Roman Der Bauern-Spiegel (1836/37) und bis an sein Lebensende hat er ungeachtet solcher Einwände seine Schriften reichlich mit sozialpolitischen Kommentaren gewürzt. Einige seiner auf konkrete Ereignisse und Debatten zielenden Bemerkungen sind für ein heutiges Lesepublikum eher von historischem Interesse. Die politische Bedeutung von Gotthelfs Werk reicht aber weit über die kantonalbernischen und nationalen politischen Verhältnisse der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinaus. Ja, mehr noch, Gotthelf bietet als ein philosophischer Schriftsteller eine scharfsinnige Analyse der weitreichenden Umwälzungen in Gesellschaft, Ökonomie, Religion und Politik, die Europa nach der Französischen Revolution erschüttert haben. Die Analysen von Beobachtern wie Edmund Burke (1729–1797) oder Alexis de Tocqueville (1805–1859) stehen denen von Gotthelf nahe. Seiner schriftstellerischen Leistung wird man nur gerecht, wenn man ihn auch als politischen Denker ersten Ranges versteht.

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Politik und Recht

  • Peter Meilaender

摘要

Den Gotthelf-Leser*innen wird es schnell klar, dass Gotthelf sich intensiv für Politik interessierte und sich mit zeitpolitischen Fragen auseinandersetzte. Seine Angriffe gegen politische Feinde waren nicht nur häufig, sondern konnten auch heftig sein, und sie veranlassten seine Freunde, ihn oft zu mahnen, er solle die Politik besser sein lassen. Schon in seinem ersten Roman Der Bauern-Spiegel (1836/37) und bis an sein Lebensende hat er ungeachtet solcher Einwände seine Schriften reichlich mit sozialpolitischen Kommentaren gewürzt. Einige seiner auf konkrete Ereignisse und Debatten zielenden Bemerkungen sind für ein heutiges Lesepublikum eher von historischem Interesse. Die politische Bedeutung von Gotthelfs Werk reicht aber weit über die kantonalbernischen und nationalen politischen Verhältnisse der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinaus. Ja, mehr noch, Gotthelf bietet als ein philosophischer Schriftsteller eine scharfsinnige Analyse der weitreichenden Umwälzungen in Gesellschaft, Ökonomie, Religion und Politik, die Europa nach der Französischen Revolution erschüttert haben. Die Analysen von Beobachtern wie Edmund Burke (1729–1797) oder Alexis de Tocqueville (1805–1859) stehen denen von Gotthelf nahe. Seiner schriftstellerischen Leistung wird man nur gerecht, wenn man ihn auch als politischen Denker ersten Ranges versteht.