Politische Publizistik
摘要
Eine wachsende Zahl von Zeitungen ermöglichte es dem politisch aufmerksamen Vikar und Pfarrer Albert Bitzius im Kanton Bern, das politische Geschehen in Bern und in der Schweiz zu verfolgen und zu kommentieren (Donien et al. 2012; Blaser 1956 [zu Berner Zeitungen], 31, 155–158, 476, 733, 783, 898, 918, 1145). Das Tagesgeschehen, über das die Zeitungen mit unterschiedlicher Tendenz berichteten, lieferte ihm Stoffe für seine Romane und Erzählungen. Im Zeitraum 1828–1854 verfasste er 155 journalistische Artikel (Edition in: HKG F.1.1). 131 können ihm namentlich zugeschrieben werden, bei den restlichen ist seine Autorschaft aufgrund brieflicher Äußerungen oder Zuschreibung anderer wahrscheinlich. Bitzius unterzeichnete elf Artikel namentlich, sechs unterschrieb er als Jeremias Gotthelf, weitere sechs weisen ihn als einen von mehreren Einsendern aus. Bevor Bitzius mit dem Bauern-Spiegel (1836/37) seine Schriftstellerkarriere als Jeremias Gotthelf begann, trat er mit 32 meist kurzen Zeitungsartikeln an die Berner Öffentlichkeit. Insgesamt 118 Artikel erschienen vor den beiden Berner Freischarenzügen 1844/45. 1844 und 1845 können Bitzius nur 14 Einsendungen namentlich zugeschrieben werden, neun weitere nur mit großer Wahrscheinlichkeit. Die Artikel, in denen Bitzius die Politik der Radikalenregierung 1846–1850 tadelte, machen nur 15 Prozent seiner Zeitungstexte aus. Von Oktober 1845 bis August 1854 erschienen lediglich zehn namentlich gekennzeichnete Texte vom berühmten Volksschriftsteller in konservativen Berner Blättern. Vermutlich stimmen die Gerüchte seiner Gegner, wonach Bitzius weiterhin anonym in Berner Zeitungen an der Radikalenregierung Kritik übte, mit der er in seinen späten Romanen sein Lesepublikum polarisierte.