In welchem Maße der Neue Berner-Kalender unter Gotthelfs Redaktion von der theologischen und seelsorgerlichen Perspektive seines Verfassers geprägt ist, wurde in der Forschung früh erkannt. Zuletzt hat Christian von Zimmermann Gotthelfs „pastorale Auffassung vom Kalender“ hervorgehoben (von Zimmermann 2009, 229), und in der Tat lässt sich eine derartige Position anhand der Konzeption des Neuen Berner-Kalenders und der Intention, die Gotthelf mit seiner Redaktionstätigkeit verband, unmittelbar begründen. Wenn Gotthelf im Jahrgang 1840 bekundet, oberstes Ziel seiner publizistischen Bestrebungen sei die „auf weltliche Art“ bewerkstelligte „Bekehrung“ seiner Leser*innen zu einem gottgefälligen Leben (HKG D.1, 15) und sich nicht nur in diesem Zusammenhang auf die ‚hohen Wahrheiten‘ beruft, die der Kalender vermitteln soll, macht er deutlich, dass er keine scharfe Grenze zwischen Pfarr- und Kalenderamt zu ziehen bereit war. Die Engführung von pfarramtlicher und publizistischer Aufgabe führt im Neuen Berner-Kalender allerdings nicht zu einem Verzicht auf die Thematisierung lebensweltlicher Erfahrung; Geistliches und Irdisches durchdringen sich vielmehr im Versuch, „Glauben und Welt in einer lebenspraktischen und lebensanschaulichen Verbindung zu fassen“ (von Zimmermann 2009, 231).

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Christliche Betrachtungen

  • Silvia Serena Tschopp

摘要

In welchem Maße der Neue Berner-Kalender unter Gotthelfs Redaktion von der theologischen und seelsorgerlichen Perspektive seines Verfassers geprägt ist, wurde in der Forschung früh erkannt. Zuletzt hat Christian von Zimmermann Gotthelfs „pastorale Auffassung vom Kalender“ hervorgehoben (von Zimmermann 2009, 229), und in der Tat lässt sich eine derartige Position anhand der Konzeption des Neuen Berner-Kalenders und der Intention, die Gotthelf mit seiner Redaktionstätigkeit verband, unmittelbar begründen. Wenn Gotthelf im Jahrgang 1840 bekundet, oberstes Ziel seiner publizistischen Bestrebungen sei die „auf weltliche Art“ bewerkstelligte „Bekehrung“ seiner Leser*innen zu einem gottgefälligen Leben (HKG D.1, 15) und sich nicht nur in diesem Zusammenhang auf die ‚hohen Wahrheiten‘ beruft, die der Kalender vermitteln soll, macht er deutlich, dass er keine scharfe Grenze zwischen Pfarr- und Kalenderamt zu ziehen bereit war. Die Engführung von pfarramtlicher und publizistischer Aufgabe führt im Neuen Berner-Kalender allerdings nicht zu einem Verzicht auf die Thematisierung lebensweltlicher Erfahrung; Geistliches und Irdisches durchdringen sich vielmehr im Versuch, „Glauben und Welt in einer lebenspraktischen und lebensanschaulichen Verbindung zu fassen“ (von Zimmermann 2009, 231).