In einem auf den 24.2.1851 datierten Brief bat der deutsche Schriftsteller Heinrich Pröhle (1822–1894) schmeichelnd „den grössten jetzt lebenden Dichter deutscher Zunge“ (SW EB 5, 144) um einen literarischen Beitrag für seinen illustrierten Kalender, den er im Verlag der Buchhandlung Avenarius in Leipzig herauszugeben plante (ebd., 143). Albert Bitzius fühlte sich durch diese Begrüßung wohl geehrt und versprach dem dreißigjährigen Autor, nicht nur einen Beitrag für dessen projektierten Kalender zu liefern, sondern vertraute ihm in den Briefwechseln auch private Angelegenheiten an (vgl. SW 22, 314). Pröhle teilte Bitzius am 21.3.1851 mit, dass der geplante Kalender nach Absprache mit seinem Verleger und den anderen daran beteiligten Schriftstellern unter dem Titel Deutsches Leben als eine „ungezwungene Folge von kleineren Bänden“ (ebd.) erscheinen solle, allerdings ohne Holzschnitte, da die Kunst in Leipzig eben nicht mehr blühe (SW EB 5, 153). Der einzureichende Umfang solle zirka fünf Bogen umfassen, gab Pröhle dem Pfarrherrn im selben Brief mit den Honorarbedingungen bekannt (SW 22, 314). Am 6.5.1851 bat er Bitzius, nachdem er dessen definitive Zusage erhalten hatte, „um die Angabe einer Zeitbestimmung“ (SW EB 5, 166), da seine Erzählung zur Publikation im ersten Band bestimmt sei. Am 6.8.1851 bedankte sich der Leipziger Schriftsteller für die Akzeptanz bezüglich des weiteren Vorgehens und ersuchte Bitzius gar um eine Erweiterung der projektierten Novelle, deren Manuskripteingang Pröhle am 23.1.1852 bestätigte (ebd., 247). Als der erste Band der geplanten Sammlung ein halbes Jahr später immer noch nicht veröffentlicht war, wurde Gotthelf ungeduldig und zog in Erwägung, das eingereichte Manuskript zurückzuziehen, da er annahm, „das Unternehmen sei entweder gescheitert oder doch betrachtlich ins Stocken gerathen“ (SW EB 18, 59). Der Herausgeber vertröstete Bitzius in einem Brief vom 28.6., indem er ihm versicherte, dass sich die Novelle bereits im Druck befinde und er jede weitere Verzögerung bekämpfe (SW EB 5, 291 f.). Am 27.10. ging Pröhle davon aus, dass der Pfarrherr sowohl die Aushängebogen seines literarischen Beitrages als auch das Honorar vom Verlag erhalten habe (SW EB 18, 63). Letzteres kündigte der Verlag Avenarius/Mendelssohn jedoch erst mit der postalischen Übersendung von vier Exemplaren des Bändchens an die Dalp’sche Buchhandlung in Bern am 18.11.1852 an (SW EB 8, 315).

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„Der Oberamtmann und der Amtsrichter“

  • Romano Mombelli

摘要

In einem auf den 24.2.1851 datierten Brief bat der deutsche Schriftsteller Heinrich Pröhle (1822–1894) schmeichelnd „den grössten jetzt lebenden Dichter deutscher Zunge“ (SW EB 5, 144) um einen literarischen Beitrag für seinen illustrierten Kalender, den er im Verlag der Buchhandlung Avenarius in Leipzig herauszugeben plante (ebd., 143). Albert Bitzius fühlte sich durch diese Begrüßung wohl geehrt und versprach dem dreißigjährigen Autor, nicht nur einen Beitrag für dessen projektierten Kalender zu liefern, sondern vertraute ihm in den Briefwechseln auch private Angelegenheiten an (vgl. SW 22, 314). Pröhle teilte Bitzius am 21.3.1851 mit, dass der geplante Kalender nach Absprache mit seinem Verleger und den anderen daran beteiligten Schriftstellern unter dem Titel Deutsches Leben als eine „ungezwungene Folge von kleineren Bänden“ (ebd.) erscheinen solle, allerdings ohne Holzschnitte, da die Kunst in Leipzig eben nicht mehr blühe (SW EB 5, 153). Der einzureichende Umfang solle zirka fünf Bogen umfassen, gab Pröhle dem Pfarrherrn im selben Brief mit den Honorarbedingungen bekannt (SW 22, 314). Am 6.5.1851 bat er Bitzius, nachdem er dessen definitive Zusage erhalten hatte, „um die Angabe einer Zeitbestimmung“ (SW EB 5, 166), da seine Erzählung zur Publikation im ersten Band bestimmt sei. Am 6.8.1851 bedankte sich der Leipziger Schriftsteller für die Akzeptanz bezüglich des weiteren Vorgehens und ersuchte Bitzius gar um eine Erweiterung der projektierten Novelle, deren Manuskripteingang Pröhle am 23.1.1852 bestätigte (ebd., 247). Als der erste Band der geplanten Sammlung ein halbes Jahr später immer noch nicht veröffentlicht war, wurde Gotthelf ungeduldig und zog in Erwägung, das eingereichte Manuskript zurückzuziehen, da er annahm, „das Unternehmen sei entweder gescheitert oder doch betrachtlich ins Stocken gerathen“ (SW EB 18, 59). Der Herausgeber vertröstete Bitzius in einem Brief vom 28.6., indem er ihm versicherte, dass sich die Novelle bereits im Druck befinde und er jede weitere Verzögerung bekämpfe (SW EB 5, 291 f.). Am 27.10. ging Pröhle davon aus, dass der Pfarrherr sowohl die Aushängebogen seines literarischen Beitrages als auch das Honorar vom Verlag erhalten habe (SW EB 18, 63). Letzteres kündigte der Verlag Avenarius/Mendelssohn jedoch erst mit der postalischen Übersendung von vier Exemplaren des Bändchens an die Dalp’sche Buchhandlung in Bern am 18.11.1852 an (SW EB 8, 315).