Als Abraham Emanuel Fröhlich (1796–1865) seinen Emmentaler Freund am 3.7.1850 um einen Beitrag für die Alpenrosen für das Jahr 1851 ersuchte (SW EB 8, 67), hatte Gotthelf gerade nichts Passendes in der Schublade, sandte ihm aber bereits einen Monat später das Manuskript zum Erdbeeri-Mareili nach Aarau. Das „Geschichtlein“, das ihm eingefallen sei, „als ein Erdbeerimeitschi zum Haus kam“ (ebd., 74), stufte der Autor im Begleitbrief als nebenbei entstanden und „unbedeutend“ (ebd., 77) ein. Diese Bescheidenheitsgeste mag damit zusammenhängen, dass zeitgleich der im Oktober 1849 begonnene Roman Zeitgeist und Berner Geist sowie die Überarbeitung der Armennoth, die im März 1851 in zweiter Auflage erscheinen sollte, auf dem Schreibtisch lagen. Seine Novellen schätzte Gotthelf – „im Einklang mit den dominierenden literarisch-ästhetischen Wertungsmaximen der Zeit“ (von Zimmermann 2014, 244) – oftmals als Nebenschauplatz literarischer Produktion ein. Trotzdem deutet die Entstehungsgeschichte darauf hin, dass Gotthelf auf die Konzeption und sprachliche Ausarbeitung des Erdbeeri-Mareili einige Aufmerksamkeit verwendet hat. Nachdem er in einer ersten, handschriftlich überlieferten Fassung (SW 21, 292–308) zunächst eine Ich-Erzählung des Gerichtsäßen Peter Hasebohne geplant hatte, verwarf er diese wieder und baute sie zu einer heterodiegetischen Rahmenerzählung um, in der er das dialektal gefärbte Gespräch sowie die sittlich-kategorischen Vorurteile des Gerichtsäßen gegenüber dem weltfernen und gemütvollen Mareili und dem „Weibervölchli“ insgesamt (ebd., 52) umso lebhafter zur Geltung brachte.

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„Das Erdbeeri-Mareili“

  • Franzisca Pilgram-Frühauf

摘要

Als Abraham Emanuel Fröhlich (1796–1865) seinen Emmentaler Freund am 3.7.1850 um einen Beitrag für die Alpenrosen für das Jahr 1851 ersuchte (SW EB 8, 67), hatte Gotthelf gerade nichts Passendes in der Schublade, sandte ihm aber bereits einen Monat später das Manuskript zum Erdbeeri-Mareili nach Aarau. Das „Geschichtlein“, das ihm eingefallen sei, „als ein Erdbeerimeitschi zum Haus kam“ (ebd., 74), stufte der Autor im Begleitbrief als nebenbei entstanden und „unbedeutend“ (ebd., 77) ein. Diese Bescheidenheitsgeste mag damit zusammenhängen, dass zeitgleich der im Oktober 1849 begonnene Roman Zeitgeist und Berner Geist sowie die Überarbeitung der Armennoth, die im März 1851 in zweiter Auflage erscheinen sollte, auf dem Schreibtisch lagen. Seine Novellen schätzte Gotthelf – „im Einklang mit den dominierenden literarisch-ästhetischen Wertungsmaximen der Zeit“ (von Zimmermann 2014, 244) – oftmals als Nebenschauplatz literarischer Produktion ein. Trotzdem deutet die Entstehungsgeschichte darauf hin, dass Gotthelf auf die Konzeption und sprachliche Ausarbeitung des Erdbeeri-Mareili einige Aufmerksamkeit verwendet hat. Nachdem er in einer ersten, handschriftlich überlieferten Fassung (SW 21, 292–308) zunächst eine Ich-Erzählung des Gerichtsäßen Peter Hasebohne geplant hatte, verwarf er diese wieder und baute sie zu einer heterodiegetischen Rahmenerzählung um, in der er das dialektal gefärbte Gespräch sowie die sittlich-kategorischen Vorurteile des Gerichtsäßen gegenüber dem weltfernen und gemütvollen Mareili und dem „Weibervölchli“ insgesamt (ebd., 52) umso lebhafter zur Geltung brachte.