Der Knabe des Tell ist das erste Werk, das Gotthelf nicht in erster Linie für ein schweizerisches, sondern auch für ein deutsches Publikum schrieb und es bildete den Auftakt seiner Zusammenarbeit mit dem Berliner Verleger Julius Springer. Dieser unterbreitete dem Autor 1843 brieflich den Vorschlag, eine Jugendschrift zu verfassen. Auf Gotthelfs Rückfrage bezüglich Stoffwahl und Adressat*innenschaft legt Springer in zwei folgenden Briefen dar, dass er sich eine Schrift für ein breites Publikum der deutschen städtisch-bürgerlichen Mittelklasse vorstelle. Inhaltlich habe er keine Präferenzen: „Ein alter Schweizer Soldat, zwei arme Waisen aus Amerika, was Sie da bringen mögen“ (20.8.1844, SW EB 6, 96). Zur selben Zeit wünscht sich auch der sächsische Kirchenrat Gotthilf Ferdinand Döhner für seinen Volksschriftenverein von Gotthelf einen Text: „Geben Sie uns den Tell, damit unser schlaffes Geschlecht sich an seinem Anblick weide und ermanne“ (8.1.1844, SW EB 6, 16). Inwiefern Gotthelfs Themenwahl dadurch beeinflusst wurde, ist allerdings ungeklärt. Der Knabe des Tell wurde 1845 fertiggestellt und erschien 1846 gleichzeitig in Berlin und Zürich. Obwohl die Schrift sich nicht ganz so gut verkaufte, wie von Springer zunächst erhofft, wurde sie 1852 nochmals aufgelegt.

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„Der Knabe des Tell“

  • Esther Kilchmann

摘要

Der Knabe des Tell ist das erste Werk, das Gotthelf nicht in erster Linie für ein schweizerisches, sondern auch für ein deutsches Publikum schrieb und es bildete den Auftakt seiner Zusammenarbeit mit dem Berliner Verleger Julius Springer. Dieser unterbreitete dem Autor 1843 brieflich den Vorschlag, eine Jugendschrift zu verfassen. Auf Gotthelfs Rückfrage bezüglich Stoffwahl und Adressat*innenschaft legt Springer in zwei folgenden Briefen dar, dass er sich eine Schrift für ein breites Publikum der deutschen städtisch-bürgerlichen Mittelklasse vorstelle. Inhaltlich habe er keine Präferenzen: „Ein alter Schweizer Soldat, zwei arme Waisen aus Amerika, was Sie da bringen mögen“ (20.8.1844, SW EB 6, 96). Zur selben Zeit wünscht sich auch der sächsische Kirchenrat Gotthilf Ferdinand Döhner für seinen Volksschriftenverein von Gotthelf einen Text: „Geben Sie uns den Tell, damit unser schlaffes Geschlecht sich an seinem Anblick weide und ermanne“ (8.1.1844, SW EB 6, 16). Inwiefern Gotthelfs Themenwahl dadurch beeinflusst wurde, ist allerdings ungeklärt. Der Knabe des Tell wurde 1845 fertiggestellt und erschien 1846 gleichzeitig in Berlin und Zürich. Obwohl die Schrift sich nicht ganz so gut verkaufte, wie von Springer zunächst erhofft, wurde sie 1852 nochmals aufgelegt.