Atoxyl in Afrika
摘要
Robert Koch war vielleicht der international renommierteste der bakteriologisch orientierten weißen Medizinmänner, weshalb er im Auftrag der deutschen, wie auch ausländischer Regierungen, etwa der französischen oder der englischen, immer wieder zu Forschungseinsätzen nach Südeuropa, oder in die Kolonien nach Afrika, Indien oder Südostasien gerufen wurde. Seine längste Expedition brachte ihn für eineinhalb Jahre 1906/07 auf die Sese-Inseln im Victoria-See in Britisch-Uganda. Dort injizierte er Eingeborenen das arsenhaltige Atoxyl, das kurzzeitig Schlafkrankheitssymptome zurückdrängen, aber keine dauerhafte Heilung bewirken konnte. Der Medizinhistoriker Prof. Wolfgang U. Eckart (1952–2021) hat in einer großen Studie zu Medizin und Kolonialimperialismus 1997 auch Robert Kochs Schlafkrankheitsexpedition bilanziert: „Die Erfolgsbilanz aller Anstrengungen zur Bekämpfung der Schlafkrankheit in Deutsch-Ostafrika … war nicht besonders überzeugend.“ Erblindungen, Lähmungen oder Todesfälle als Ergebnis der Giftspritzen wurden dokumentiert – und viele Eingeborene entzogen sich der Fortsetzung der „Behandlung“ durch die Flucht. Koch schlug als Gegenmaßnahme die Einrichtung von „concentration camps“ nach britischem Vorbild vor.