Kochs Typhus-Kampagne
摘要
1901 startete Robert Koch seine Akquisitionsbemühungen für ein flächendeckendes bakteriologisches Feldforschungs- und Präventionsprojekt, das in bisher nie gekanntem Ausmaß bestrebt war, lückenlos Gesundheitsdaten der gesamten Bevölkerung zu erheben und auszuwerten. Koch suchte vor allem auch die Unterstützung der Armeeführung, weil Südwestdeutschland als Aufmarschgebiet („Schlieffen-Plan“) im Falle eines erneuten deutsch-französischen Krieges galt. Kernstück waren labortechnische Untersuchungen sämtlicher irgendwie verdächtiger Personen, die dann bei Vorliegen eines Laborbefunds sozial isoliert und vorzugsweise in Quarantänestationen verbracht werden konnten. Es war die Geburtsstunde des gesunden, symptomlosen „Bazillenträgers“. Dafür wurden im deutschen Südwesten 11 bakteriologische Untersuchungsanstalten eingerichtet und in den darauf folgenden 10 Jahren insgesamt 85 Bakteriologen vor Ort eingesetzt. Koch behauptete, sein Projekt sei ein voller Erfolg. Medizinische Praktiker verwiesen darauf, dass die Zahl der Typhus-Fälle überall, d. h. auch in Regionen ohne Kochs „medizinische Rasterfahndung“ (Berger), im fraglichen Zeitraum genauso rückläufig war. Auch berichtet der vor Ort eingesetzte Dr. Georg Jürgens (1870–1966) in seinem Lebensrückblick, dass Koch einzelne Typhus-Fälle, die nach Beendigung der Kampagne auftraten, einfach in seinem Bericht „vergessen“ hatte.