Tuberkulin-Rausch
摘要
1890 war Sir Arthur Conan Doyle, der schottische Arzt und Schriftsteller, extra nach Berlin gereist, um die Anwendung des neuen Kochschen Wundermittels mit eigenen Augen zu beobachten. Doyle, dem Schöpfer der berühmten Sherlock Holmes Romane, ging es wie hunderten anderen Ärzten und tausenden von Lungenkranken: Sie alle waren von der Nachricht in Ekstase versetzt, dass der durch seine Bakterienentdeckungen weltberühmte Prof. Dr. Robert Koch ein neues Heilmittel gegen Tuberkulose vorgestellt hatte. Berlin stand fortan Kopf, Caféhäuser und Hotels wurden zu Pop-up-Impfzentren umgebaut und mit Betten ausgestattet, in denen das in Windeseile produzierte Tuberkulin den Patienten in den Rücken gespritzt wurde. Oft in großen feierlichen Inszenierungen in Anwesenheit von Prominenten. Indessen erwies sich das Mittel binnen weniger Wochen als unwirksam, ja schädlich. Der Journalist und Schriftsteller Gerhard Jäckel (1913–1993) hat 1963 in seinem großen Werk über die Charité auch den „Tuberkulin-Schwindel“ als Wissenschafts-Doku-Drama anschaulich beschrieben.