Eine Republik des Theaters
摘要
Die Weimarer Republik wurde in einem Theatergebäude geboren. Und in einem Theatergebäude zu Grabe getragen. So berichtete die Vossische Zeitung am 7. Februar 1919 vom Auftakt der Nationalversammlung in Weimar, die sich am Tag zuvor erstmals in der thüringischen Kleinstadt zusammenfand und im dortigen Nationaltheater tagte. Besonders erwähnt wurden die vielen Blumen, die dem Haus eine ehrwürdige Stimmung verliehen haben. 14 Jahre später wird die gleiche Zeitung darlegen, wie die erste, noch nicht mal einstündige Reichstagssitzung in der Berliner Kroll-Oper, die zwischen 1924 und 1931 als Spielstätte des Staatstheaters diente, vonstattenging und wie beeindruckt man war, dass innerhalb weniger Wochen das Theater zum Sitzungssaal umgebaut wurde. Weil das Reichstagsgebäude in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 ausgebrannt und der Plenarsaal daher nicht mehr nutzbar war, benötigte man einen Ausweichort, in dem sich der neue am 5. März 1933 gewählte Reichstag konstituieren konnte. Bereits am 31. Januar 1933 wurde Adolf Hitler vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt, womit der Weg für die sogenannte Machtübertragung auf die Nationalsozialisten frei war. Bei den Reichstagswahlen im März sollten die Mandate der NSDAP nochmals ausgebaut werden. Drei Tage nach der konstituierenden Sitzung in der Kroll-Oper beschloss der Reichstag zudem das Ermächtigungsgesetz. Durch dieses Gesetz wurde die politische Macht der Exekutive und Legislative auf die Position des Reichskanzlers, also auf Hitler, übertragen. Die demokratische Gewaltenteilung der Weimarer Verfassung wurde demnach vom Parlament selbst aufgehoben.