Historisch gesehen fand die tiergestützte Therapie erstmals durch eine Veröffentlichung des US-amerikanischen Kinderpsychologen Boris Levinson im Jahr 1962 Einzug in die psychiatrisch-psychotherapeutische Fachwelt. Dieser hatte beobachtet, dass ein bis dahin psychotherapeutisch schwer zu behandelnder Junge durch den zunächst zufälligen Kontakt zu Levinsons Hund zunehmend Vertrauen zu ihm als Therapeuten fassen konnte (Levinson 1962). In den letzten Jahren haben tier- bzw. hundegestützte Therapieangebote vermehrt Einzug in psychiatrische Versorgungseinrichtungen gefunden und erfreuen sich dort einer großen Akzeptanz vonseiten der Patienten und Klienten (Beetz et al. 2021; Schreiber und Kuhn 2019). Auch das wissenschaftliche Engagement im Bereich tiergestützter Therapien steigt, wenngleich die einzelnen Studien aufgrund verschiedener Designs häufig nur wenig vergleichbar sind und in ihrer Qualität Verbesserungspotenzial bergen (Huß und Seemüller 2023). Generell können verschiedene Tierarten in therapeutische Konzepte einbezogen werden. Am häufigsten werden hunde- und pferdegestützte Therapien angeboten. Dieser Beitrag beschränkt sich von nun an auf den Einbezug von Hunden in die psychodynamische Psychotherapie. Hunde, die in einem therapeutischen Setting eingesetzt werden, werden als „Therapiebegleithunde“ bezeichnet. Entsprechend der Definition eines „Therapiebegleithundes“ nach Wohlfarth und Mutschler werden diese in der Therapie gezielt in ein therapeutisches Konzept einbezogen und wurden gemeinsam mit dem Halter hierfür ausgebildet (Wohlfarth und Mutschler 2017). Man spricht daher häufig auch von einem „Therapiebegleithunde-Team“, bestehend aus Therapeut und Hund. Der gezielte Einsatz kann hierbei u. a. in der Psychotherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie, Pädagogik und vielem mehr erfolgen und sich ganz unterschiedlich gestalten. Entscheidend ist aber, dass der Einsatz des Hundes eine sinnvolle Ergänzung des bereits vorbestehenden Therapieverfahrens und kein eigenständiges Verfahren darstellt. Nicht der Hund an sich soll als „Therapeutikum“ dienen, was die landläufige Bezeichnung „Therapiehund“ ggf. nahelegen könnte (Schreiber 2023). Es sollte daher auf die korrekte Nutzung der Begrifflichkeiten geachtet werden. In den letzten Jahren haben tier- und hundegestützte Therapieangebote vermehrt Einzug in psychiatrische Versorgungseinrichtungen gefunden und erfreuen sich dort einer großen Akzeptanz von Seiten der Patienten und Klienten (Beetz et al. 2021; Schreiber & Kuhn, 2019). Dieser Beitrag schildert die Möglichkeit des Einbezugs von Hunden in die psychodynamische Psychotherapie, welche im Anschluss an die theoretische Erläuterung grundlegender Konzepte anhand eines Fallbeispiels zur Behandlung der Depression praxisnah erläutert wird. Hierbei zeigt sich einerseits wie vielfältig der Hund das psychotherapeutische Setting in diagnostischer, sowie therapeutischer Hinsicht (und somit für Therapeut und Patient) bereichern kann. Andererseits werden auch die zunehmende Komplexizität des therapeutischen Geschehens und die damit einher gehenden Herausforderungen deutlich. Vor diesem Hintergrund kommt einem differenzierten, verantwortungsvollen Einsatz von Tieren in der Therapie inklusive der Sicherung von Qualitätsstandards eine besonders wichtige Rolle zu.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Praxis der hundegestützten psychodynamischen Psychotherapie bei Depressionen

  • Emma Huß,
  • Janina Schreiber

摘要

Historisch gesehen fand die tiergestützte Therapie erstmals durch eine Veröffentlichung des US-amerikanischen Kinderpsychologen Boris Levinson im Jahr 1962 Einzug in die psychiatrisch-psychotherapeutische Fachwelt. Dieser hatte beobachtet, dass ein bis dahin psychotherapeutisch schwer zu behandelnder Junge durch den zunächst zufälligen Kontakt zu Levinsons Hund zunehmend Vertrauen zu ihm als Therapeuten fassen konnte (Levinson 1962). In den letzten Jahren haben tier- bzw. hundegestützte Therapieangebote vermehrt Einzug in psychiatrische Versorgungseinrichtungen gefunden und erfreuen sich dort einer großen Akzeptanz vonseiten der Patienten und Klienten (Beetz et al. 2021; Schreiber und Kuhn 2019). Auch das wissenschaftliche Engagement im Bereich tiergestützter Therapien steigt, wenngleich die einzelnen Studien aufgrund verschiedener Designs häufig nur wenig vergleichbar sind und in ihrer Qualität Verbesserungspotenzial bergen (Huß und Seemüller 2023). Generell können verschiedene Tierarten in therapeutische Konzepte einbezogen werden. Am häufigsten werden hunde- und pferdegestützte Therapien angeboten. Dieser Beitrag beschränkt sich von nun an auf den Einbezug von Hunden in die psychodynamische Psychotherapie. Hunde, die in einem therapeutischen Setting eingesetzt werden, werden als „Therapiebegleithunde“ bezeichnet. Entsprechend der Definition eines „Therapiebegleithundes“ nach Wohlfarth und Mutschler werden diese in der Therapie gezielt in ein therapeutisches Konzept einbezogen und wurden gemeinsam mit dem Halter hierfür ausgebildet (Wohlfarth und Mutschler 2017). Man spricht daher häufig auch von einem „Therapiebegleithunde-Team“, bestehend aus Therapeut und Hund. Der gezielte Einsatz kann hierbei u. a. in der Psychotherapie, Ergotherapie, Bewegungstherapie, Pädagogik und vielem mehr erfolgen und sich ganz unterschiedlich gestalten. Entscheidend ist aber, dass der Einsatz des Hundes eine sinnvolle Ergänzung des bereits vorbestehenden Therapieverfahrens und kein eigenständiges Verfahren darstellt. Nicht der Hund an sich soll als „Therapeutikum“ dienen, was die landläufige Bezeichnung „Therapiehund“ ggf. nahelegen könnte (Schreiber 2023). Es sollte daher auf die korrekte Nutzung der Begrifflichkeiten geachtet werden. In den letzten Jahren haben tier- und hundegestützte Therapieangebote vermehrt Einzug in psychiatrische Versorgungseinrichtungen gefunden und erfreuen sich dort einer großen Akzeptanz von Seiten der Patienten und Klienten (Beetz et al. 2021; Schreiber & Kuhn, 2019). Dieser Beitrag schildert die Möglichkeit des Einbezugs von Hunden in die psychodynamische Psychotherapie, welche im Anschluss an die theoretische Erläuterung grundlegender Konzepte anhand eines Fallbeispiels zur Behandlung der Depression praxisnah erläutert wird. Hierbei zeigt sich einerseits wie vielfältig der Hund das psychotherapeutische Setting in diagnostischer, sowie therapeutischer Hinsicht (und somit für Therapeut und Patient) bereichern kann. Andererseits werden auch die zunehmende Komplexizität des therapeutischen Geschehens und die damit einher gehenden Herausforderungen deutlich. Vor diesem Hintergrund kommt einem differenzierten, verantwortungsvollen Einsatz von Tieren in der Therapie inklusive der Sicherung von Qualitätsstandards eine besonders wichtige Rolle zu.