Einwände gegen die Wissensvermittlungskonzeption
摘要
In diesem Kapitel werde ich neun verschiedene Einwände gegen die Wissensvermittlungskonzeption moralischer Bildung näher diskutieren, die sich grob in drei Kategorien einteilen lassen. Die gemeinsame Idee hinter der ersten Kategorie der philosophischen Einwände ist, dass systematische moralische Wissensvermittlungen schlichtweg unmöglich sind, weil sie unplausible (meta-)philosophische Annahmen über die Möglichkeit, die Verteilung und den Umfang moralischen Wissens voraussetzen. Die grundsätzliche Idee hinter der zweiten Kategorie der pädagogischen Einwände ist, dass eine Vermittlung moralischen Wissens, wenngleich aus rein philosophischer Sicht vielleicht prinzipiell möglich, aus pädagogischer bzw. bildungstheoretischer Sicht nach wie vor als problematisch zu bewerten ist. Die gemeinsame Idee hinter der dritten Kategorie der didaktischen Einwände ist, dass selbst dann, wenn sich eine direktive unterrichtliche Vermittlung spezifischer moralischer Ansichten grundsätzlich gegen die skizzierten philosophischen und pädagogischen Einwände verteidigen ließe, eine solche Vermittlung dennoch mit zentralen didaktischen Prinzipien unvereinbar wäre, wie sie für die unterrichtliche Praxis des modernen Philosophie- und Ethikunterrichts einschlägig sind.