… a Dio servire? Geltungsansprüche der italienischen Minnelyrik des Duecento zwischen weltlichem und religiösem Diskurs (Giacomo da Lentini − Guido Cavalcanti − Dante Alighieri)
摘要
Der Beitrag zeigt, wie am Anfang der italienischen volkssprachlichen Liebeslyrik in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Giacomo da Lentini religiöse Bilder und Konzepte aus okzitanischer Liebesdichtung und höfischer Traktatistik aufruft, diese aber nicht in den Dienst referentieller Semantik stellt (Liebeswerbung, Frauenlob...), sondern zur Entfaltung einer mimetisch und pragmatisch entlasteten Dichtung nutzt, welche die Spielräume fiktionaler Rede entschieden ausstellt. Wenige Jahrzehnte später nutzt Guido Cavalcanti dann religiöse Diskursbausteine zu einer ebenso prononcierten wie lebensweltlich verbindlichen Spiritualisierung weltlicher Liebe als Königsweg zu einem Seelenadel, der nicht nur der Liebesdichtung als Medium der gentilezza ihre Geltung sichern soll, sondern sie auch in ein implizites Konkurrenzverhältnis zu religiösen Heilserwartungen treten lässt. In einer dritten Migrationsbewegung religiöser Formularien in die weltliche Dichtung versucht schließlich Dante, an der Schwelle zum 14. Jahrhundert im Prosimetrum seiner Vita nova die beiden vorgenannten Ansätze zu ‚korrigieren‘ und die religiös grundierten Wort- und Bildfelder wieder auf ihre dogmatische Grundlage, den christlichen Wahrheits- und Geltungsanspruch, zurückzuführen.