Dass Francesco Petrarca in der Serie von Marienanrufungen, die am Ende seines Canzoniere die Abwendung von der Dame Laura und die Hinwendung zur Gottesmutter rhythmisieren, als erstes von sieben Attributen für die Jungfrau ausgerechnet bella („schön“) wählt, mag verwirren: Ist Maria denn, wie der zitierte Aufgesang der ersten Strophe von Canzone 366 zu besagen scheint, zuvörderst ‚schön‘? Oder muss sich – hier oder stets – auch noch das Gebet in der Sprache des erotischen Begehrens artikulieren, sei es aus verborgenen psychologischen oder kulturellen Gründen oder, weil Petrarca es für tiefblickende Lesende so eingerichtet hat? Ist hier die Wahrheit des Textes mithin unter einer Oberfläche hervorzuholen – oder ist es treffender, von einer Migration zwischen geistlichem und erotischem Terrain zu sprechen? Der folgende Artikel untersucht anhand von Petrarcas Marienkanzone die Möglichkeiten solcher Modelle und zieht zum Vergleich auch das etwas abstraktere Vokabular der linguistischen Pragmatik und insbesondere der Relevanztheorie heran.

错误:搜索内容不能为空,请输入英文关键词
错误:关键词超出字数限制,请精简
高级检索

Troppo fiso? Erotische und sakrale Diskurse in Petrarcas Antwort auf Dante (RVF 366)

  • Florian Mehltretter

摘要

Dass Francesco Petrarca in der Serie von Marienanrufungen, die am Ende seines Canzoniere die Abwendung von der Dame Laura und die Hinwendung zur Gottesmutter rhythmisieren, als erstes von sieben Attributen für die Jungfrau ausgerechnet bella („schön“) wählt, mag verwirren: Ist Maria denn, wie der zitierte Aufgesang der ersten Strophe von Canzone 366 zu besagen scheint, zuvörderst ‚schön‘? Oder muss sich – hier oder stets – auch noch das Gebet in der Sprache des erotischen Begehrens artikulieren, sei es aus verborgenen psychologischen oder kulturellen Gründen oder, weil Petrarca es für tiefblickende Lesende so eingerichtet hat? Ist hier die Wahrheit des Textes mithin unter einer Oberfläche hervorzuholen – oder ist es treffender, von einer Migration zwischen geistlichem und erotischem Terrain zu sprechen? Der folgende Artikel untersucht anhand von Petrarcas Marienkanzone die Möglichkeiten solcher Modelle und zieht zum Vergleich auch das etwas abstraktere Vokabular der linguistischen Pragmatik und insbesondere der Relevanztheorie heran.