Bergsegen und Sündenfall: Formeln für den Umgang mit Unfall und Gewinn in der sächsischen Montanverwaltung des 18. Jahrhunderts
摘要
Dieser Beitrag zeigt anhand von Material aus dem Archiv der sächsischen Montanverwaltung und deren direktem Umfeld, in welchem Rahmen Unfall und Gewinn im Bergbau der Frühen Neuzeit für sinnhaft erklärt wurden. Gewinn wurde als »Segen« in verschiedenen Varianten (Bergsegen, göttlicher Segen, unterirdischer Segen, segensreiche Hand Gottes, etc.) verstanden. Unglücke wurden in Verwaltungsschriftgut oft ohne deutende Kommentare berichtet und in anderen Textgattungen als gerechte Strafe für Sünde kodiert. Der Gebrauch von Sünden- und Segensformeln verwandelte Erze und Arbeit zu Ressourcen – nicht im Sinne einer modernen Kosten-Nutzen-Kalkulation, sondern im frühneuzeitlichen Verständnis als Mittel, die zur Rettung kommen. Als Formeln konnten Bergsegen und Sündenfall leicht durch verschiedene Textgattungen zirkulieren und selbst in sehr verknappten Darstellungen autoritative Narrative evozieren und für bestimmte rhetorische Zwecke verfügbar machen, etwa bei der Suche nach neuen Investoren.