Krankenakte und Künstlerdossier. Begegnungen zweier Aufschreibesysteme in der Geschichte der Art brut
摘要
Obwohl ›Anstaltskunst‹ eines der wichtigsten Provenienzfelder seiner Collection de l’Art Brut bildete, distanzierte sich der französische Künstler und Sammler Jean Dubuffet (1901–1985) mit dem begrifflichen Übergang von der ›Kunst der Verrückten‹ (art des fous) zur ›rohen Kunst‹ (art brut) sowohl von der Verklärung des Wahnsinns im Kontext der Avantgarden als auch von psychiatrischen Forschungsinitiativen und Sammelbestrebungen. Zugleich war seine Sammelpraxis nicht nur auf die Kooperation mit Anstaltsärzten angewiesen, sondern auch eng mit klinikinternen Aktenführungsverfahren verschränkt. Am Beispiel der Sammlungs- und Rezeptionsgeschichte der Schriften von Jeanne Tripier (1869–1944) und Henri Bessaud (1904–1951) beleuchtet der Beitrag Überschneidungsbereiche zwischen dem psychiatrischen Aufschreibesystem und der Geschichte der Art brut.