Akten als Krisensymptom am Kaiserlichen Schreibtisch
摘要
In diesem Beitrag interessiere ich mich für die Bedeutung von Akten bzw. des Aktenvolumens der öffentlichen Verwaltung für die Gestaltung monarchischer Herrschaft in der Habsburgermonarchie. Kaiser Franz Joseph wurde durch ein steigendes Volumen an Akten zur schrittweisen Aufgabe seines Herrschaftsverständnisses gezwungen. Der hinhaltende Widerstand, den er gegenüber einer Konstitutionalisierung der Monarchie in den 1860er Jahren leistete, war nur der zweite Akt in einem Drama, das die Modernisierung von Staat und Politik in der Habsburgermonarchie ermöglichte. Der erste Akt wurde bereits am Beginn der 1850er Jahre gesetzt, als der Kaiser zwar seine Herrscherrechte gegen liberale Ansprüche verteidigt hatte, jedoch gegenüber dem Papier, d. h. dem Aktenvolumen kapitulieren und einen Teil seiner Herrscherrechte delegieren musste. Nur so konnte er seine Handlungsfähigkeit angesichts einer rasch expandierenden Verwaltung bewahren, für die er – dem Vorbild seiner Vorgänger folgend – Leistungen im Sinne von Letztentscheidungen erbrachte.