Mumien und modrige Pilze im Mund? Sprache und Schrift zwischen einer Metaphysik des Mangels und einer Technizität des Sinns im Vollzug
摘要
Ausgehend von der Schriftkritik Wilhelm von Humboldts und der Sprachkritik Hugo von Hofmannsthals fragt der Beitrag nach der Mangelhaftigkeit von Sprache, Schrift und Zeichensystemen: Was mangelt? In einem ersten Schritt wird die strukturale Mangelhaftigkeit aller Zeichensysteme begründet. Dieses Urteil gilt auch, wie am Beispiel von KI und Gesichtserkennungssoftware gezeigt wird, für wohldefinierte Zeichensysteme wie Programmiersprachen: Sobald mit ihnen Bezug auf eine Wirklichkeit außerhalb des Zeichensystems genommen werden soll, werden sie mangelhaft. Am Beispiel der Schrift wird im zweiten Schritt gegen den strukturalen Mangel aller Zeichensysteme das Ereignis von Zeichen gestellt. Zwar trifft aus strukturalistischer Perspektive Derridas Einwand zu, Zeichen können aufgrund ihrer konstitutionellen Wiederholbarkeit kein Ereignis sein. Mit Bezug auf Alfred North Whiteheads ‚organistische Philosophie‘ wird dagegen für die Einmaligkeit jeder Zeichenverwendung argumentiert. Künstliche Intelligenz, so wird im dritten Schritt mit Rekurs auf Jean-Luc Nancy Verwendung des Begriffs techné geschlossen, besteht in einem strukturalen Mangel und einer technischen Präsenz.