Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arabische Halbinsel in rasantem Tempo zu einer Region von strategischer Bedeutung für die politische Ökonomie des globalen Kapitalismus aufgebaut. Um ihre avisierte Rolle als neue Hegemonialmacht ausfüllen zu können, benötigten die USA nachhaltigen Einfluss auf das wichtigste internationale Handelsgut, das als Treibstoff jedweder moderner Industrieproduktion und zur Ausübung militärischer Macht unverzichtbar geworden war: Erdöl. Da die Region über sehr hohe Vorkommen an fossilen Energieträgern mit außerordentlich niedrigen Förderkosten verfügt, war sie bereits deutlich vor der Kapitulation Deutschlands und Japans ins Visier US-amerikanischer Planungen der Nachkriegsära geraten. Allerdings wartete die Integration der Arabischen Halbinsel in die globale Ökonomie mit gravierenden Herausforderungen auf, denn die USA waren weder fähig noch willens, die Region qua eines klassischen imperialen Kolonialprojekts in das Weltwirtschaftssystem einzubinden. Vielmehr arrangierten sich die USA beim Aufbau eines internationalen Regimes zur Wahrung energiepolitischer Interessen mit den großen multinationalen Erdölkonzernen, den Erdölkonzernen im eigenen Land und dem Vereinigten Königreich als der seit Mitte des 19. Jahrhunderts dominanten imperialen Macht in der Region. Wie nirgendwo sonst sollte geballte staatliche und privatwirtschaftliche Macht des Globalen Nordens auf eine seit den 1920er-Jahren abgehängte, verarmte Region treffen, deren politische Ökonomien infolgedessen völlig umgekrempelt wurden. Der vorliegende Beitrag setzt es sich zur Aufgabe, rententheoretisch fundiert zentrale Entwicklungslinien der politischen Ökonomien der Arabischen Halbinsel ab der Entdeckung von Rohstoffressourcen bis in die Gegenwart zu diskutieren.

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Arabische Halbinsel im fossilen Zeitalter: Herausbildung von Petrostaatlichkeit

  • Martin Beck

摘要

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Arabische Halbinsel in rasantem Tempo zu einer Region von strategischer Bedeutung für die politische Ökonomie des globalen Kapitalismus aufgebaut. Um ihre avisierte Rolle als neue Hegemonialmacht ausfüllen zu können, benötigten die USA nachhaltigen Einfluss auf das wichtigste internationale Handelsgut, das als Treibstoff jedweder moderner Industrieproduktion und zur Ausübung militärischer Macht unverzichtbar geworden war: Erdöl. Da die Region über sehr hohe Vorkommen an fossilen Energieträgern mit außerordentlich niedrigen Förderkosten verfügt, war sie bereits deutlich vor der Kapitulation Deutschlands und Japans ins Visier US-amerikanischer Planungen der Nachkriegsära geraten. Allerdings wartete die Integration der Arabischen Halbinsel in die globale Ökonomie mit gravierenden Herausforderungen auf, denn die USA waren weder fähig noch willens, die Region qua eines klassischen imperialen Kolonialprojekts in das Weltwirtschaftssystem einzubinden. Vielmehr arrangierten sich die USA beim Aufbau eines internationalen Regimes zur Wahrung energiepolitischer Interessen mit den großen multinationalen Erdölkonzernen, den Erdölkonzernen im eigenen Land und dem Vereinigten Königreich als der seit Mitte des 19. Jahrhunderts dominanten imperialen Macht in der Region. Wie nirgendwo sonst sollte geballte staatliche und privatwirtschaftliche Macht des Globalen Nordens auf eine seit den 1920er-Jahren abgehängte, verarmte Region treffen, deren politische Ökonomien infolgedessen völlig umgekrempelt wurden. Der vorliegende Beitrag setzt es sich zur Aufgabe, rententheoretisch fundiert zentrale Entwicklungslinien der politischen Ökonomien der Arabischen Halbinsel ab der Entdeckung von Rohstoffressourcen bis in die Gegenwart zu diskutieren.