Natürliche Natur oder Verbrechen wider die Natur? Kannibalismus in der Kriminalliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts
摘要
Ausgehend von den naturrechtlichen Reflektionen zum Kannibalismus in Defoes Robinson Crusoe wird untersucht, wie Fälle von Kannibalismus in den Fallgeschichtensammlungen des 17. und 18. Jahrhunderts juristisch beurteilt werden. Anhand einer Pitaval-Geschichte und des Thüringer Falles des ‚Kannibalen von Eichelborn‘ kann gezeigt werden, dass neben juristischen auch medizinische (und damit anthropologische) Argumente eine entscheidende Rolle spielen bei der Beurteilung der Frage, ob Kannibalismus im Aufklärungszeitalter innerhalb der natürlichen Ordnung beurteilt werden kann. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wird die (anthropologisch begründete) Monstrosität des Kannibalismus pathologisch beurteilt und mit jüngsten völkerkundlichen Überlegungen kurzgeschlossen.