Das Altern in europäischen und vielen Gesellschaften weltweit ist offensichtlich, wenngleich sowohl in der wissenschaftlichen als auch der öffentlichen Debatte weniger der durch die Langlebigkeit hervorgerufene demografische Wandel als das Migrationsthema diskursbestimmend sind. Das Altern ist als wesentliche Größe im soziodemografischen Wandel deshalb brisant, weil es mit multiplen Risikolagen in einen Zusammenhang gebracht wird. Mit Sorge werden diese multiplen Risikolagen als Lücken in der ökonomischen und gesundheitlich-pflegerischen Sicherheit beobachtet und festgestellt. Eher nachrangig und ungünstig für eine positive Akzeptanz des soziodemografischen Wandels und der angeführten Risikolagen wird die „normative Lücke“ diskutiert. Normativ ist das Altern – und da besonders die Hochaltrigkeit – wenig sozial festgelegt. Das Ruhestandsmodell hat als Handlungsfolie über weite Strecken ausgedient. Die Mehrheit alter Menschen will und ist in der nachberuflichen Lebensphase in vielfältige Aktivitäten des kulturellen und sozialen Lebens sowie der Freiwilligentätigkeit integriert. Das moderne Alter zeigt also hohe Freiheitsgrade, führt andererseits aber auch aufgrund dieser Freiheitsgrade zu Unsicherheit und Zukunftsvergessenheit. Offen bleibt, woher Vorstellungen und Werte für individuelles Handeln kommen. Wenig Schubkraft bekommt die Kultur des individuellen Alterns durch die Gesellschaft der Alten selbst, weil es diese schlichtweg nur randständig gibt. Ob und wie es die Gesellschaft oder die Gesellschaften der Alten braucht, bleibt ein Gegenstand gesellschaftspolitischer Diskussionen.

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Die Gesellschaft der Alten – das Altern der Gesellschaft

  • Franz Kolland

摘要

Das Altern in europäischen und vielen Gesellschaften weltweit ist offensichtlich, wenngleich sowohl in der wissenschaftlichen als auch der öffentlichen Debatte weniger der durch die Langlebigkeit hervorgerufene demografische Wandel als das Migrationsthema diskursbestimmend sind. Das Altern ist als wesentliche Größe im soziodemografischen Wandel deshalb brisant, weil es mit multiplen Risikolagen in einen Zusammenhang gebracht wird. Mit Sorge werden diese multiplen Risikolagen als Lücken in der ökonomischen und gesundheitlich-pflegerischen Sicherheit beobachtet und festgestellt. Eher nachrangig und ungünstig für eine positive Akzeptanz des soziodemografischen Wandels und der angeführten Risikolagen wird die „normative Lücke“ diskutiert. Normativ ist das Altern – und da besonders die Hochaltrigkeit – wenig sozial festgelegt. Das Ruhestandsmodell hat als Handlungsfolie über weite Strecken ausgedient. Die Mehrheit alter Menschen will und ist in der nachberuflichen Lebensphase in vielfältige Aktivitäten des kulturellen und sozialen Lebens sowie der Freiwilligentätigkeit integriert. Das moderne Alter zeigt also hohe Freiheitsgrade, führt andererseits aber auch aufgrund dieser Freiheitsgrade zu Unsicherheit und Zukunftsvergessenheit. Offen bleibt, woher Vorstellungen und Werte für individuelles Handeln kommen. Wenig Schubkraft bekommt die Kultur des individuellen Alterns durch die Gesellschaft der Alten selbst, weil es diese schlichtweg nur randständig gibt. Ob und wie es die Gesellschaft oder die Gesellschaften der Alten braucht, bleibt ein Gegenstand gesellschaftspolitischer Diskussionen.