„En effigie käm’ ich in der Litteraturzeitung, oder andern solchen Orten, vor, wenn ich nicht das erbärmlichste Nichts wäre […]“ – Rahel Levin Varnhagen als epistolare Literaturkritikerin
摘要
Rahel Levin Varnhagens Brief-Œuvre zeugt von der intensiven kritischen Lektürepraxis der Autorin und der Auseinandersetzung mit den Debatten ihrer Zeit. Sie tauscht sich über literarische Neuerscheinungen aus und kommentiert Rezensionen. Diese Auseinandersetzung mit Literatur ist vor dem Hintergrund der sich in den frühromantischen Kreisen herausbildenden modernen Literaturkritik zu verstehen. In diesem Beitrag werden die literaturkritischen Passagen der Briefe in ihrer Gesamtheit in den Blick genommen, auf ihre Urteilskriterien und Argumentation hin untersucht und als spezifischer Beitrag zu den zeitgenössischen Tendenzen der kritischen Praxis und Kritiktheorie konturiert. Abschließend wird Levin Varnhagens Positionierung anhand von folgenden drei Aspekten näher bestimmt: das Verhältnis zwischen Kritiker:in und Literat:in; das Konstrukt der ‚ewigen Kritik‘, das durch Levin Varnhagens Praxis der Meta-Kritik realisiert wird; und der Widerspruch zwischen der romantischen Individualisierung der Literaturkritik und dem objektiven Anspruch, mit der sie einhergeht.