Netzwerken und Porträtieren. Rahel Levin Varnhagens innovatorische Gestaltung zweier Kulturtechniken der Geselligkeit
摘要
Das literarische Porträtieren und das Netzwerken sind konstitutiver Teil urbaner Geselligkeit. Sie sorgen beide für Orientierung in einer komplexer werdenden großen Stadt. Eine solche Findekunst von Geselligkeitsaspiranten wird immer notwendig, wenn die Geselligkeit sich öffnet, das heißt nicht mehr auf ein überschaubares Segment der städtischen Gesellschaft beschränkt. Die Entwicklung des Genres literarisches Porträt geht aus von einer dominant physiognomischen Darstellung in Kombination mit der Aufzählung einzelner Eigenschaften. Das literarische Porträt bekommt um 1800 Konkurrenz durch das neue Format der Charakteristik. Im Bündnis von Porträt und Kritik werden nun die Schattenseiten eines Charakters stärker betont und der Gesamteindruck einer Person akzentuiert. Levin Varnhagen nutzt die spezifisch integrative Struktur der Geselligkeit, um in ihren literarischen Porträts verschiedene Kunst- und Wissenstendenzen (die Klugheitslehren der Aufklärung, das Persönlichkeitsbildungskonzept des Klassizismus, die romantische Entgrenzung der Persönlichkeit sowie psychologisch analytische Ansätze) situativ einzusetzen.